Basset Artésien Normand

FCI-Gruppe 6 · Sektion 1.3 · Kleine Laufhunde, mit Arbeitsprüfung
Basset Artésien Normand
Der Basset Artésien Normand (englisch: Norman Artesien Basset) gehört zu den kurzhaarigen französischen Bassets, deren gezielte Zucht laut FCI-Standard in den Siebzigerjahren des 19. Jahrhunderts begann. Wichtig zu wissen: Keine rassespezifischen peer-reviewten Studien publiziert (Stand 22.08.2026).
Größe
♂ 30–36 cm · ♀ 30–36 cm
Gewicht
♂ 15–20 kg · ♀ 15–20 kg
Lebenserwartung
10–14 Jahre
Aktivität
Hoch
Kosten / Monat
ca. 70–160 €
Rasseportrait
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Rassen-Check
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Steckbrief
FCI-Gruppe
Gruppe 6 (Laufhunde, Schweißhunde und verwandte Rassen), Sektion 1.3 (Kleine Laufhunde, mit Arbeitsprüfung), FCI-Standard Nr. 34 — 01.08.2023 (Datum der Publikation des gültigen offiziellen Standards; deutsche Übersetzung vom 29.08.2023; frühere Fassung vom 20.10.1992)
Herkunft
Frankreich
Größe
Rüde: 30–36 cm Widerristhöhe (FCI-Standard nennt keine geschlechtsspezifische Trennung, die Spanne gilt für Rüde und Hündin gleichermaßen; Toleranz ±1 cm für außergewöhnlich gute Hunde) · Hündin: 30–36 cm Widerristhöhe (identische FCI-Vorgabe wie beim Rüden; der Standard unterscheidet die Geschlechter in der Größe nicht, auch das Gewicht ist mit 15–20 kg für beide Geschlechter angegeben)
Gewicht
Rüde: 15–20 kg (FCI-Standard gibt das Gewicht für Rüde und Hündin gemeinsam an, ohne Geschlechtertrennung) · Hündin: 15–20 kg (FCI-Standard, keine geschlechtsspezifische Angabe; in der Praxis liegen Hündinnen tendenziell im unteren Bereich der Spanne — Praxisbeobachtung, nicht Standardtext)
Lebenserwartung
10–14 Jahre (Quellen variieren: verbreitete Rasseportale nennen 10–13 bzw. 10–14 Jahre; eine peer-reviewte, rassespezifische Lebenserwartungsstudie wurde nicht gefunden — die Spanne ist ein Richtwert aus Sekundärquellen, weitere Prüfung empfohlen)
Fellfarben
Laut FCI-Standard: falbfarben mit schwarzem Mantel und Weiß (dreifarbig) oder falbfarben mit Weiß (zweifarbig). Beim dreifarbigen Hund soll der Kopf überwiegend lohfarben sein; an jeder Schläfe soll sich ein runder Fleck mit dunkleren Haaren befinden. Der Mantel bzw. die Flecken und Platten der Scheckung bestehen aus schwarzem Haar oder aus schwarz-hell geschichtetem Haar (entsprechend den früheren Bezeichnungen „Hasenfarbe“ oder „Dachsfarbe“).
Aktivitätslevel
Hoch — Der FCI-Standard beschreibt den Basset Artésien Normand als einen Hund, der ‚mit seiner sehr feinen Nase zuverlässig auf der Spur und vorzüglich spurlaut …
Pflegeaufwand
Gering — Das kurze, dicht anliegende, nicht zu feine Haar des Basset Artésien Normand ist im Rassenvergleich pflegeleicht: gelegentliches Bürsten reicht aus, eine professionelle Schur ist …
Anfängergeeignet
Kein pauschales Ja oder Nein: Der Basset Artésien Normand ist munter, anhänglich und in der Regel freundlich, was die Haltung grundsätzlich angenehm macht — sein ausgeprägtes, eigenständiges Nasen- und Jagdverhalten (er jagt spurlaut, auch allein) macht einen zuverlässigen Freilauf-Gehorsam auf einer Spur aber zu einer anspruchsvollen Trainingsaufgabe, und das rassetypische Lautgeben braucht Nachbarschafts-Toleranz. Wer Grundwissen über Lerntheorie, realistische Erwartungen an den Rückruf, einen sicher eingezäunten Garten und Zeit für Nasenarbeit mitbringt, kommt gut zurecht; ohne diese Voraussetzungen wird die Rasse häufig unterschätzt.
Listenhund-Status
Kein Listenhund — in keinem der 16 Bundesländer gelistet (Stand: 22.08.2026)
Geschätzte Kosten
Anschaffung 600–2.500 € · laufend ca. 70–160 €/Monat — Details im Kostenrechner unten
Herkunft & Geschichte
Der Basset Artésien Normand (englisch: Norman Artesien Basset) gehört zu den kurzhaarigen französischen Bassets, deren gezielte Zucht laut FCI-Standard in den Siebzigerjahren des 19. Jahrhunderts begann. Aus Bassets von offensichtlich gemeinsamem Ursprung wurden zwei Gebrauchstypen herausgezüchtet: Le Couteulx de Canteleu schuf mit dem Typ d’Artois einen Gebrauchshund mit geraden Vorderläufen, während Louis Lane mit dem Typ Normand einen auffälligeren Typ mit ausgedrehten Vorderläufen erzüchtete. Beide Linien waren auf dieselbe Aufgabe ausgerichtet — die jagdliche Arbeit in dichtem Dickicht auf Niederwild.
Erst 1924 wurde der Name Basset artésien-normand offiziell für Rasse und Club anerkannt. Léon Verrier, der 1927 mit 77 Jahren das Präsidium des Clubs übernahm, war bestrebt, den Rassenmerkmalen des Typs Normand einen deutlicheren Charakter zu verleihen. Im Buch der Standards der Laufhunde aus dem Jahr 1930, in dem sowohl der Basset d’Artois als auch der Basset Artésien Normand aufgeführt sind, findet sich die bemerkenswerte Anmerkung, der Basset artésien-normand sei nur als Übergangsstufe zu einem reinen Typ Normand ohne restliche Merkmale des Typs d’Artois zu betrachten — ein Beleg dafür, wie eng die beiden Linien historisch miteinander verwoben waren.
Der heute gültige FCI-Standard Nr. 34 (Gruppe 6, Sektion 1.3, Kleine Laufhunde, mit Arbeitsprüfung) wurde zuletzt am 01.08.2023 publiziert. Er beschreibt die Verwendung als Hund für die Jagd mit der Flinte auf Niederwild, der spurlaut sowohl in der Gruppe als auch allein jagt: Seine kurzen Läufe erlauben ihm, in das dichteste Dickicht einzudringen und dort das Wild herauszutreiben, wo ein großer Hund nicht mehr durchkommt. Er bevorzugt die Jagd auf Kaninchen, eignet sich aber auch für Hase und Rehwild und sucht und sticht mit großer Sicherheit — nicht sehr schnell, aber laut und systematisch.
Wesen & Charakter
Der FCI-Standard beschreibt den Basset Artésien Normand als einen Hund, der ‚mit seiner sehr feinen Nase zuverlässig auf der Spur und vorzüglich spurlaut jagend‘ seinem Meister erlaubt, ‚die jagdliche Verfolgung auszukosten ohne sich allzu sehr beeilen zu müssen‘, und fügt hinzu: ‚Charakter munter und sehr anhänglich.‘ Diese Beschreibung ist keine zufällige Charaktersammlung, sondern das Ergebnis einer über Generationen gezielt geförderten Funktion: Als kurzbeiniger Laufhund (Basset) wurde er nicht auf Sprinttempo, sondern auf ausdauerndes, eigenständiges Verfolgen einer Bodenfährte selektiert — seine kurzen Läufe sind eine Anpassung an die Arbeit im dichtesten Dickicht, nicht an gemütliche Sofastunden.
In der ursprünglichen Beutefangsequenz nach Coppinger (Orientieren – Fixieren – Anschleichen – Hinterherjagen – Fangbiss – Tötungsbiss – Aufreißen – Fressen) bleiben beim Laufhund die ersten Glieder — Orientieren, Fixieren, Hinterherjagen — besonders stark ausgeprägt und werden eigenständig zum zentralen Rassemerkmal, während Fangbiss und Tötungsbiss dem Jäger überlassen bleiben und vom Hund selbst nicht gefordert sind. Diese Zuordnung ist eine Erweiterung auf Basis der breiteren Coppinger-Literatur zu Laufhunden/Scent Hounds und kein wörtliches Zitat aus Modul 4a, sie ist aber mit der im FCI-Standard beschriebenen Funktion konsistent.
Ein weiteres rassetypisches Merkmal ist die ausgeprägte Lautfreude: Der Basset Artésien Normand jagt laut Standard ausdrücklich spurlaut, gibt also beim Verfolgen einer Spur Laut — historisch, damit der Jäger den Hund auch im dichten Unterholz akustisch orten konnte. Im Alltag wird genau dieses tief verankerte, funktionale Verhalten häufig als ‚zu laut‘ empfunden. Dazu kommt eine Besonderheit für die menschliche Wahrnehmung: Die sehr langen, dicht anliegenden Hängeohren und die geschmeidige, dünne Haut mit rassetypischen Falten (Backen, Vorderfußwurzel, Fersenbeinhöcker) schränken die Sichtbarkeit feiner Körpersprachsignale ein — nach Feddersen-Petersen reduziert Zucht auf Schlappohren und lockere Haut die sichtbare mimische Bandbreite unabhängig vom tatsächlichen emotionalen Zustand.
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Erziehung & Beschäftigung
Die ausgeprägte Nasen- und Spurorientierung des Basset Artésien Normand macht positive Verstärkung mit Futter oder Spiel besonders wirksam, denn Such- und Spurarbeit sind für diese Rasse intrinsisch hoch belohnend. Am besten entspricht der ursprünglichen Zuchtbestimmung eine gezielte Kanalisierung des Jagd- und Fährtenverhaltens: Nasenarbeit, Fährten- bzw. Mantrailing-Übungen und kontrollierte Suchspiele bieten artgerechte geistige Auslastung und reduzieren gleichzeitig unerwünschtes eigenmächtiges ‚Auf-Fährte-Gehen‘ im Alltag. Dabei ist zu bedenken, was der Standard über die Arbeitsweise sagt: nicht sehr schnell, aber laut und systematisch — der Hund arbeitet ausdauernd und gründlich, nicht hektisch; kurze, strukturierte Einheiten mit hoher Belohnungsdichte passen besser zu ihm als lange, eintönige Wiederholungen.
Beim Rückruf gilt dasselbe wie bei anderen Laufhunden: Realistische Erwartungen sind wichtiger als bei vielen Rassen. Da der Basset Artésien Normand selektiv auf eigenständiges, vom Hundeführer entferntes Fährtenarbeiten gezüchtet wurde — er jagt laut Standard auch allein —, ist ein hundertprozentig zuverlässiger Freilauf-Gehorsam in der Nähe einer interessanten Fährte kaum realistisch zu erreichen. Der Rückruf sollte systematisch über eine Ablenkungs- und Distanzhierarchie aufgebaut werden, beginnend in reizarmer Umgebung; eine sichere, lückenlose Einzäunung des Gartens ist keine Option, sondern eine Grundvoraussetzung der Haltung, und in jagdlich genutzter Umgebung ist Leinenführung das zuverlässigere Management.
Von Dominanzansätzen wird grundsätzlich abgeraten — sie sind wissenschaftlich überholt (Mech, Boitani) und für den kooperativen, belohnungsorientierten Lerntyp dieser Rasse wenig zielführend. Hundeschulen mit Angeboten zu Rückruftraining unter Ablenkung sowie zu Nasenarbeit/Mantrailing sind für diese Rasse besonders empfehlenswert; die primäre Sozialisationsphase (ca. 3.–12. Lebenswoche, Scott & Fuller 1965) sollte für den Aufbau von Umwelt- und Artgenossensicherheit genutzt werden.
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Pflege & Gesundheit
Das kurze, dicht anliegende, nicht zu feine Haar des Basset Artésien Normand ist im Rassenvergleich pflegeleicht: gelegentliches Bürsten reicht aus, eine professionelle Schur ist nicht nötig, und das Fell ist wetterfest. Wichtiger ist die regelmäßige, idealerweise wöchentliche Kontrolle und Reinigung der sehr langen, spiralig gedrehten Hängeohren: Sie schränken die Luftzirkulation im Gehörgang ein, was bei Hängeohren-Rassen allgemein das Risiko für Ohrenentzündungen erhöht — eine rassespezifische Studie zum Basset Artésien Normand existiert dazu nicht, die anatomische Voraussetzung ist aber im Standard selbst festgeschrieben (Ohren mindestens so lang wie der Fang).
Eine zweite rassetypische Pflegestelle sind die Hautfalten, die der Standard ausdrücklich beschreibt: eine oder zwei Falten an den Backen, Hautfalten an der Vorderfußwurzel (‚solange nicht übertrieben, als Qualitätsmerkmal zu werten‘) sowie eine kleine, von loser Haut gebildete Hauttasche am Fersenbeinhöcker, die ausdrücklich nicht als Fehler zu werten ist. Diese lose, dünne, geschmeidige Haut braucht Hygiene und Beobachtung — feuchte, schlecht belüftete Falten können sich entzünden. Ergänzend gilt wie bei vielen kurzbeinigen Rassen: Übergewicht belastet Gelenke und Herz-Kreislauf; bei einer Sollspanne von 15–20 kg und einem eher gemächlichen, aber ausdauernden Bewegungstyp sollte die Fütterung kontrolliert und messbar erfolgen.
Redaktionelle Einordnung des Lexikons: Es liegen keine Belege für eine Zucht auf ein schädigendes Merkmal vor — der Basset Artésien Normand zeigt keine der für Qualzucht typischen extremen Übertreibungen (keine Brachyzephalie, keine Chondrodystrophie mit disproportionierten Extremformen, keine exzessiven Hautfalten, keine Extrem-Miniaturisierung); der Standard fordert selbst, zur Zucht ausschließlich funktional und klinisch gesunde, rassetypische Hunde zu verwenden. Eine Einstufung als Qualzucht im Sinne von § 11b TierSchG ist daher nach aktuellem Kenntnisstand nicht begründet; die abschließende Bewertung obliegt den zuständigen Behörden. Die § 11b-Regelung verbietet die Zucht, bei der erwartet werden kann, dass erblich bedingt Körperteile fehlen oder untauglich werden (gesetze-im-internet.de, aktuelle Fassung) — Anlass für eine solche Einschätzung besteht beim Basset Artésien Normand nach aktueller Datenlage nicht.
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Häufige Fragen zum Basset Artésien Normand
Kein pauschales Ja oder Nein: Seine Anhänglichkeit und Belohnungsorientierung machen die Grunderziehung vergleichsweise angenehm, ein zuverlässiger Freilauf-Rückruf auf einer interessanten Fährte gehört aber zu den anspruchsvollsten Trainingszielen überhaupt. Mit realistischen Erwartungen, Grundwissen zu Lerntheorie, einem sicher eingezäunten Garten und Zeit für Nasenarbeit ist die Rasse gut machbar.
Als Laufhund wurde er auf eigenständiges, vom Hundeführer entferntes Fährtenarbeiten gezüchtet — er jagt laut Standard sogar allein und gibt dabei spurlaut. Auf einer frischen Spur tritt die Verarbeitung anderer Reize, einschließlich Rückrufkommandos, stark in den Hintergrund; das ist kein Ungehorsam, sondern ein selektiv gezüchteter sensorischer Fokuszustand.
Er braucht täglich ausreichend Bewegung und zusätzlich gezielte geistige Auslastung über Nasenarbeit — ausgedehnte Spaziergänge allein reichen oft nicht. Kontrollierte Suchspiele, Fährtenarbeit und Mantrailing entsprechen seiner ursprünglichen Zuchtbestimmung am besten; sein Arbeitstempo ist dabei laut Standard nicht sehr schnell, aber laut und systematisch.
Nein. Der Basset Artésien Normand steht in keinem der 16 Bundesländer auf einer Rasseliste für gefährliche Hunde — weder bundesweit (HundVerbrEinfG) noch landesrechtlich.
Der FCI-Standard verlangt sehr lange, spiralig gedrehte Hängeohren (mindestens so lang wie der Fang). Sie schränken die Luftzirkulation im Gehörgang ein, wodurch sich Schmutz und Feuchtigkeit stauen können — eine regelmäßige, wöchentliche Ohrenkontrolle und -reinigung ist deshalb die wichtigste Pflegemaßnahme der Rasse.
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