Blauer Picardie-Spaniel

Blauer Picardie-Spaniel – Rasseportrait

FCI-Gruppe 7 · Sektion 1.2 · Kontinentale Vorstehhunde, Typ „Spaniel“, mit Arbeitsprüfung

Blauer Picardie-Spaniel

Die Geschichte des Blauen Picardie-Spaniels (Blue Picardy Spaniel) beginnt im 19. Jahrhundert in der Picardie im Norden Frankreichs, rund um die Mündung der Somme. Wichtig zu wissen: Für diese seltene Rasse ist die gesundheitliche Datenlage begrenzt; ein rassespezifisch erhöhtes, dokumentiertes Erbkrankheitsrisiko (Prävalenzstudie oder razespezifischer Gentest) ist mit mindestens zwei unabhängigen Fachquellen derzeit nicht belegt (unsicher, weitere Prüfung empfohlen).

Größe

♂ 57–62 cm · ♀ 55–60 cm

Gewicht

♂ 18–23 kg · ♀ 18–23 kg

Lebenserwartung

12–14 Jahre

Aktivität

Hoch

Kosten / Monat

ca. 80–165 €

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Steckbrief

FCI-Gruppe

Gruppe 7 (Vorstehhunde), Sektion 1.2 (Kontinentale Vorstehhunde, Typ „Spaniel“, mit Arbeitsprüfung), FCI-Standard Nr. 106 — Datum der Publikation des gültigen offiziellen Standards: 08.06.2023 (englische/französische Übersetzung veröffentlicht am 08.10.2023); definitive Anerkennung durch die FCI seit 12.06.1954; Original-Gültigkeitsdatum im …

Herkunft

Frankreich (Region Picardie, Umgebung der Mündung der Somme)

Größe

Rüde: 57–62 cm Widerristhöhe (FCI-Standard Nr. 106, Fassung 08.06.2023; Toleranz ±2 cm, unerwünscht) · Hündin: 55–60 cm Widerristhöhe (FCI-Standard Nr. 106, Fassung 08.06.2023; Toleranz ±2 cm, unerwünscht)

Gewicht

Rüde: ca. 18–23 kg (Praxis-Richtwert; der FCI-Standard macht keine Gewichtsvorgabe) · Hündin: ca. 18–23 kg (Praxis-Richtwert; der FCI-Standard macht keine Gewichtsvorgabe)

Lebenserwartung

etwa 12–14 Jahre (Sekundärquellen, u. a. Wisdom Panel; für diese sehr seltene Rasse liegen keine peer-reviewten Längsschnittdaten vor — Quellen variieren, unsicher, weitere Prüfung empfohlen)

Fellfarben

Silbergrau bis grauschwarz getüpfelt (gesprenkelt), sodass das Fell einen bläulichen Schimmer ergibt, mit schwarzen Flecken (Patches), die vorhanden sein oder fehlen können (FCI-Standard Nr. 106, Fassung 08.06.2023 — Wortlaut „Silver grey to grey black speckled forming a bluish shade, with or without black patches“). Atypische Fellfarben (weiße oder braune Flecken) gelten laut Standard als disqualifizierender Fehler; die Nase ist schwarz.

Aktivitätslevel

Hoch — Der FCI-Standard beschreibt das Wesen des Blauen Picardie-Spaniels als flexiblen, sanften Hund mit ausgeglichenem Temperament, gut an das Familienleben …

Pflegeaufwand

Mittel — Das Fell des Blauen Picardie-Spaniels ist glatt bis leicht gewellt, mit reichem Befransen an Ohren, Rute und Gliedmaßen sowie am Unterbauch.

Anfängergeeignet

Kein pauschales Ja oder Nein: Die Rasse gilt als führig, anpassungsfähig und gut trainierbar, was die Grunderziehung erleichtert; gleichzeitig verlangen der hohe tägliche Bewegungsbedarf, der ausgeprägte Vorsteh-/Apportierinstinkt und die seltene Verfügbarkeit von Welpen realistisches Grundwissen und meist Unterstützung durch eine Hundeschule oder Verhaltensberatung — ohne diese Vorbereitung ist der Blauer Picardie-Spaniel für Erstlingshalter nur bedingt geeignet.

Listenhund-Status

Kein Listenhund — in keinem der 16 Bundesländer gelistet (Stand: 21.08.2026)

Geschätzte Kosten

Anschaffung 700–2.500 € · laufend ca. 80–165 €/Monat — Details im Kostenrechner unten

Herkunft & Geschichte

Die Geschichte des Blauen Picardie-Spaniels (Blue Picardy Spaniel) beginnt im 19. Jahrhundert in der Picardie im Norden Frankreichs, rund um die Mündung der Somme. In dieser Zeit beschrieben verschiedene Autoren schwarze oder schwarz-weiße Spaniels, die sie „Épagneuls du Nord“ („Spaniels des Nordens“) nannten. Nach heutigem Kenntnisstand entstand die Rasse aus einer Kreuzung alter französischer Spaniels mit eingeführtem englischem Setter-Blut (Blue-Belton- und Gordon-Setter): Britische Jäger, deren Hunde wegen der britischen Quarantänebestimmungen nicht zurück ins Vereinigte Königreich durften, ließen ihre Hunde in der Picardie bei einheimischen Jägern; über die Jahre kreuzten sich diese mit den örtlichen Picardie-Spaniels und brachten die bläulich-schwarze Fellfarbe in die Population. Der erste dokumentierte schwarze, blaugraue Spaniel gilt mit 1875.

Lange wurden die beiden „Picardy“-Rassen gemeinsam geführt: Der (braune) Picardie-Spaniel wurde 1904 erstmals auf einer Ausstellung gezeigt, 1907 bildete sich ein gemeinsamer Club, der die beiden Typen dann getrennt führte. In Frankreich wurde der Blauer Picardie-Spaniel schließlich 1938 als eigenständige Rasse anerkannt, ihr Standard wurde offiziell registriert. Die FCI nahm die Rasse am 12.06.1954 auf definitiver Basis an; die heute gültige Standardfassung datiert vom 08.06.2023.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stand die Rasse kurz vor dem Aussterben, ehe eine kleine Gruppe engagierter Züchter sie rettete; seit etwa 2003 übersteigen die Zahlen des Blauen Picardie-Spaniels die seines Cousins, des Picardie-Spaniel. Heute ist die Rasse außerhalb Frankreichs selten geblieben: Der Canadian Kennel Club erkannte sie 1995 an, der United Kennel Club 1996; der American Kennel Club führt sie noch nicht.

Laut FCI-Standard wird die Rasse als kontaktfreudiger Hund für die Jagd innerhalb der Schussdistanz beschrieben, der sich an alle Arten kleiner Wildjagden anpasst und besonders für die Waldschnepfenjagd geeignet ist. Sie liebt Wasser und wurde sowohl zum Vorstehen als auch zum Apportieren eingesetzt — Eigenschaften, die bis heute Zucht- und Verwendungsziel sind.

Wesen & Charakter

Der FCI-Standard beschreibt das Wesen des Blauen Picardie-Spaniels als flexiblen, sanften Hund mit ausgeglichenem Temperament, gut an das Familienleben angepasst, der als ruhig und nie aggressiv gelten soll, dabei athletisch ist und täglichen Auslauf zum Abbau seiner Energie braucht (FCI-Standard Nr. 106, Fassung 08.06.2023). Diese Beschreibung ist unmittelbares Ergebnis der jahrhundertelangen Zucht als vielseitiger Jagd- und Vorstehhund: Ein kontaktfreudiger Vorsteh- und Apportierhund, der in der Schussdistanz arbeitet, Wasser liebt und in der Waldschnepfenjagd eingesetzt wurde, braucht ein ruhiges, umgängliches Wesen ohne Nervosität oder Aggression.

Charakterprägend ist vor allem das namensgebende Vorstehen und das Apportieren. Nach der modifizierten Beutefangsequenz (Orientieren – Fixieren – Anschleichen – Hinterherjagen – Fangbiss – Tötungsbiss – Aufreißen – Fressen, nach Coppinger) ist bei Vorstehhunden wie diesem die Phase „Fixieren“ extrem verstärkt, während „Hinterherjagen“ und „Fangbiss“ zurückgenommen wurden — der Hund friert bei Wildkontakt reglos in der Vorstehhaltung ein, statt loszustürmen. Beim Blauer Picardie-Spaniel kommt die umgelenkte, sanfte Trage- und Apportierkomponente hinzu (Fangbiss als weiches Halten) und sein ausgeprägter Bezug zum Wasser. Im Alltag kann ein solcher Instinktbezug dazu führen, dass der Hund bei Wild-, Federwild- oder Beutegeruch plötzlich mit gehobenem Vorderlauf und starrer Ausrichtung „einfriert“ oder intensiv einer Fährte folgt — kein Ungehorsam, sondern eine tief verankerte Instinkthandlung (Quelle: IHK Potsdam/BHV, Modul 4a Ethologie; Coppinger & Coppinger, „Dogs“).

Davon klar zu unterscheiden ist beispielsweise das Bellen gegenüber Fremden oder an der Grundstücksgrenze sowie forderndes Aufmerksamkeitsverhalten. Die Wachfunktion ist kein ausgewiesenes Zuchtziel; die konkrete Bellhäufigkeit des einzelnen Hundes ist überwiegend gelerntes Alarm- und Sozialverhalten (Verstärkerwert, Trainingsstand, Generalisierung) — kein Rest der Jagdsequenz. Gleiches gilt für Anspringen oder Ziehen an der Leine: Diese Verhaltensweisen sind lerntheoretisch zu erklären, nicht über den historischen Zuchtzweck.

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Erziehung & Beschäftigung

Die hohe Führigkeit und Anpassungsfähigkeit machen den Blauen Picardie-Spaniel grundsätzlich gut trainierbar — vorausgesetzt, die Erziehung arbeitet konsequent über positive Verstärkung und Vertrauensaufbau statt über Dominanz- oder Strafkonzepte; „Rudelführer“-Ansätze sind wissenschaftlich widerlegt und widersprechen dem kooperativen Wesen der Rasse. Eine begleitete Welpen- oder Junghundegruppe bei einer lerntheoretisch fundierten Hundeschule ist für die frühe Sozialisation besonders hilfreich; die primäre Sozialisationsphase liegt etwa zwischen der 3. und 12./16. Lebenswoche.

Die Beschäftigung sollte möglichst nah an der ursprünglichen Zuchtbestimmung ansetzen: Dummytraining und strukturiertes Apportieren, Nasen-/Fährtenarbeit, Wasserarbeit und je nach Verfügbarkeit geführte jagdliche Ausbildung — zusätzlich Hundesport wie Agility, Obedience und Rally-Obedience. Der hohe tägliche Bewegungsbedarf entsteht weniger aus Temperament als aus der für die Arbeitsleistung gezüchteten Ausdauer; ein kurzer Spaziergang reicht nicht, die Rasse braucht zusätzlich geistige und körperliche Auslastung.

Weil der Blauer Picardie-Spaniel schnell lernt, lernt er auch unerwünschtes Verhalten schnell — etwa Jagen von Wild oder Ziehen an der Leine, wenn ein Reiz die Fixier-/Nachsetz-Reaktion triggert. Ein früh und konsequent trainierter Rückruf sowie Impulskontrolle sind bei dieser Rasse besonders wichtig. Wird eine bislang belohnte Reaktion (etwa das fordernde Bellen an der Tür) konsequent nicht mehr verstärkt, zeigt sich häufig zunächst ein Extinktionsburst: Das Verhalten wird vorübergehend intensiver, bevor es abklingt. Wer in diesem Moment nachgibt, verstärkt genau das intensivere Verhalten; konsequentes Nichtverstärken plus ein angebotenes Alternativverhalten ist zielführender. Bei starken Wildreizen hilft aktives Management an der Leine statt ausschließlich auf den Rückruf zu vertrauen.

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Pflege & Gesundheit

Das Fell des Blauen Picardie-Spaniels ist glatt bis leicht gewellt, mit reichem Befransen an Ohren, Rute und Gliedmaßen sowie am Unterbauch. Der Pflegeaufwand ist moderat: wöchentliches Bürsten hält das Fell in Form, gelegentliches Kürzen der Fransen an Ohren, Läufen und Rute ist bei Bedarf sinnvoll; lose Unterwolle sollte besonders im Fellwechsel entfernt werden. Die Fellfarbe ist silbergrau bis grauschwarz getüpfelt mit bläulichem Schimmer und schwarzen Flecken — atypische weiße oder braune Flecken sind laut Standard disqualifizierend.

Gesundheitlich gilt: Für diese sehr seltene Rasse ist die Datenlage begrenzt. Ein rassespezifisch erhöhtes Erbkrankheitsrisiko ist mit mindestens zwei unabhängigen Fachquellen derzeit nicht belegt (unsicher, weitere Prüfung empfohlen). Redaktionell weist das Lexikon darauf hin, dass die Rasse außerhalb Frankreichs nur in kleinen Populationen vertreten ist, was das Inzuchtrisiko prinzipiell erhöht — seriöse Züchter arbeiten deshalb mit Zuchtbucheinsicht und möglichst breitem Genpool. Bei der Welpenwahl sollte man nach Gesundheitsnachweisen der Elterntiere (u. a. Hüfte/Ellbogen, Augen) und möglichst einem belastbaren Ahnennachweis fragen.

Praktisch wichtig: Die langen, dicht behaarten Hängeohren begünstigen wie bei vielen Spaniels Ohrenentzündungen (Otitis externa), weshalb eine regelmäßige Ohrenkontrolle und -pflege wichtig sind; das ist eine allgemeine, nicht rassespezifische Empfehlung der Kleintiermedizin. Da die Rasse eine Arbeitsprüfung unterliegt (FCI „Subject to a working trial“), werden jagdlich geführte Hunde regelmäßig auf Einsatztauglichkeit und Gesundheit geprüft — ein zusätzlicher Qualitätsanker, der aber keinen Rasse-Gesundheitsnachweis im engeren Sinn ersetzt.

Für wen geeignet?

  • Familien: Gut geeignet: Der FCI-Standard nennt die Rasse ausdrücklich gut an das Familienleben angepasst, ruhig und nie aggressiv, und sie gilt als besonders kinderfreundlich — der ausgeprägte Jagdinstinkt gegenüber Wild und flüchtigen Bewegungen sollte aber aktiv angeleitet werden.
  • Einsteiger: Machbar mit Grundwissen: führig, anpassungsfähig und gut trainierbar, aber der hohe Bewegungsbedarf, der ausgeprägte Instinktdruck und die seltene Welpenverfügbarkeit verlangen realistische Vorbereitung und im Zweifel eine begleitende Hundeschule — kein Selbstläufer.
  • Sportlich Aktive: Sehr gut geeignet: Als Vorsteh-, Apportier- und wasserbegeisterter Gebrauchshund mit hoher Ausdauer ist der Blauer Picardie-Spaniel ein idealer Partner für Dummytraining, Nasenarbeit, Wasserarbeit, Agility, Obedience und ausdauernde gemeinsame Aktivitäten.
  • Senioren/wenig Aktive: Eher nicht geeignet: Der hohe tägliche Bewegungs- und Auslastungsbedarf und die gezüchtete Ausdauer lassen sich mit einem ruhigen, wenig aktiven Alltag kaum vereinbaren — hier sind bewegungsärmere oder kleinere Rassen die passendere Wahl.

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Das Fell des Blauen Picardie-Spaniels ist glatt bis leicht gewellt, mit reichem Befransen an Ohren, Rute und Gliedmaßen sowie am Unterbauch.
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Häufige Fragen zum Blauer Picardie-Spaniel

Ist der Blauer Picardie-Spaniel anfängergeeignet?

Kein pauschales Ja oder Nein: Die Rasse ist führig, anpassungsfähig und gut trainierbar, was die Grunderziehung erleichtert. Gleichzeitig braucht sie realistische Vorbereitung auf den hohen Bewegungsbedarf und den ausgeprägten Vorsteh-/Apportierinstinkt sowie — wegen der Seltenheit — Geduld bei der Welpensuche; ohne Grundwissen und ggf. begleitende Hundeschule ist sie für Erstlingshalter nur bedingt geeignet.

Wie viel Bewegung braucht ein Blauer Picardie-Spaniel im Alltag?

Mehr als ein kurzer Spaziergang: Die Rasse ist ruhig im Temperament, aber athletisch und für hohe Ausdauer gezüchtet (FCI-Standard spricht von einem täglichen Auslauf zum Energieabbau). Sinnvoll sind tägliche, ausgiebige Spaziergänge plus körperliche und geistige Auslastung — Dummytraining, Nasenarbeit, Wasserarbeit oder Hundesport wie Agility und Obedience.

Spricht der Blauer Picardie-Spaniel auch ohne Jagdeinsatz auf eine artgerechte Beschäftigung an?

Ja: Dummytraining und strukturiertes Apportieren, Nasen-/Fährtenarbeit und Wasserarbeit sprechen dieselben Anlagen an wie die jagdliche Arbeit. So lässt sich der Instinktbedarf auch ohne aktive Jagdausübung decken; ohne ein solches Programm neigt die Rasse zu Unruhe oder Ersatzverhalten.

Ist der Blauer Picardie-Spaniel ein Listenhund?

Nein: Die Rasse steht in keinem der 16 Bundesländer auf einer Rasseliste und ist auch nicht vom bundesweiten Einfuhrverbot nach dem Hundeverbringungs- und -einfuhrbeschränkungsgesetz betroffen, das nur Pitbull, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier und Bullterrier sowie deren Kreuzungen erfasst.

Wie alt wird ein Blauer Picardie-Spaniel?

Sekundärquellen nennen etwa 12 bis 14 Jahre; für diese sehr seltene Rasse liegen keine peer-reviewten Längsschnittdaten vor, die Angabe ist daher als Richtwert und nicht als exakter Wert zu verstehen (unsicher, weitere Prüfung empfohlen).

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