Broholmer
FCI-Gruppe 2 · Sektion 2.1 · Molosser, Doggenartige Hunde
Broholmer
Der Broholmer ist seit dem Mittelalter als Hundetyp in Dänemark bekannt und wurde ursprünglich für die Hirschjagd eingesetzt. Wichtig zu wissen: Hüftgelenksdysplasie (HD) und Ellbogengelenksdysplasie (AD/ED) wie bei den meisten großen, schweren Rassen (Screening-Pflicht im dänischen Zuchtprogramm); subvalvuläre Aortenstenose (SAS, Herzscreening) …
Größe
♂ 75 cm · ♀ 70 cm
Gewicht
♂ 50–70 kg · ♀ 40–60 kg
Lebenserwartung
8–12 Jahre
Aktivität
Mittel
Kosten / Monat
ca. 140–250 €
Rasseportrait
kostenrechner
Rassen-Check
🔒 Verhaltenswissenschaft
🔒 Lernportal
Faq
Steckbrief
FCI-Gruppe
Gruppe 2 (Pinscher und Schnauzer, Molosser und Schweizer Sennenhunde), Sektion 2.1 (Molosser, Doggenartige Hunde), FCI-Standard Nr. 315 — 03.05.2025 (Publikationsdatum der aktuell gültigen Fassung; Dokumentdatum 16.05.2025, offizielle Standardsprache Englisch/DKK Standard Committee – die deutsche FCI-Übersetzung online ist noch nicht aktualisiert und …
Herkunft
Dänemark
Größe
Rüde: ca. 75 cm Widerristhöhe (FCI-Standard Nr. 315, Fassung 2025; Circa-Angabe ohne separaten Toleranzbereich) · Hündin: ca. 70 cm Widerristhöhe (FCI-Standard Nr. 315, Fassung 2025)
Gewicht
Rüde: 50–70 kg (FCI-Standard Nr. 315, Fassung 2025 – FCI macht hier eine konkrete Gewichtsvorgabe) · Hündin: 40–60 kg (FCI-Standard Nr. 315, Fassung 2025)
Lebenserwartung
ca. 8–12 Jahre (Quellen variieren zwischen 7 und 12 Jahren je nach Portal; keine peer-reviewte, rassespezifische Kohortenstudie zur Lebenserwartung gefunden – unsicher, weitere Prüfung empfohlen. Spanne orientiert sich an der für Riesenrassen dieser Gewichtsklasse üblichen Lebenserwartung.)
Fellfarben
Kurzes, dicht anliegendes Haar mit dichter Unterwolle. Laut FCI-Standard: Gelb mit oder ohne schwarze Maske, Rot mit oder ohne schwarze Maske (Maske nur auf dem Fang), Schwarz. Weiße Abzeichen an Brust, Pfoten und Rutenspitze zulässig; weiße Abzeichen an anderen Körperstellen sowie «Sooty» (rußige Überlagerung) und langes Haar gelten als Fehler.
Aktivitätslevel
Mittel — Der FCI-Standard beschreibt das Wesen des Broholmers als «ruhig, gutartig, freundlich, dennoch wachsam», mit der ausdrücklichen Forderung nach «großem …
Pflegeaufwand
Gering — Das kurze, dicht anliegende Fell mit Unterwolle ist pflegeleicht (regelmäßiges Bürsten reicht); die für Molosser typische lose Haut am Hals und die hängenden Lefzen führen jedoch …
Anfängergeeignet
Kein pauschales Ja oder Nein: Die im FCI-Standard geforderte Ruhe, Gutmütigkeit und hohe Reizschwelle erleichtern den Grundgehorsam, doch Körpergröße und -kraft (Rüden bis 70 kg), das ausgeprägte Wach-/Schutzverhalten gegenüber Fremden sowie die dokumentiert eingeschränkte genetische Vielfalt der wiederaufgebauten Population erfordern von Beginn an konsequente, gewaltfreie Sozialisation, Erfahrung im Umgang mit großen, selbstbewussten Hunden und einen Züchter mit nachweislichem Gesundheits-Screening (HD/AD/Herz) – keine spontane Anschaffung.
Listenhund-Status
Kein Listenhund — in keinem der 16 Bundesländer gelistet (Stand: 22.08.2026)
Geschätzte Kosten
Anschaffung 1500–3.500 € · laufend ca. 140–250 €/Monat — Details im Kostenrechner unten
Herkunft & Geschichte
Der Broholmer ist seit dem Mittelalter als Hundetyp in Dänemark bekannt und wurde ursprünglich für die Hirschjagd eingesetzt. Später diente er vor allem als Wachhund auf großen Bauernhöfen und Landgütern. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Rasse durch die Bemühungen des Kammerherrn (Chamberlain) Sehested von Broholm reinrassig gezüchtet – von seinem Gut Broholm auf der Insel Fünen erhielt die Rasse ihren Namen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wäre der Broholmer beinahe ausgestorben.
Um 1975 initiierte der Dansk Kennel Klub (DKK), maßgeblich vorangetrieben von Jytte Weiss, eine landesweite Suche nach verbliebenen Broholmern. Gefunden wurde nur ein einziger ausgewachsener Rüde mit typischem Rasse-Phänotyp – «Bjørn fra Helsinge», zu diesem Zeitpunkt bereits 12 Jahre alt und unfruchtbar – sowie eine kleine Zahl papierloser Hunde, die DKK-Preisrichter aufgrund ihrer phänotypischen Ähnlichkeit zur Zucht zuließen. Laut der peer-reviewten genetischen Untersuchung von Pertoldi et al. (2013, Journal of Animal Science) wurden zusätzlich Hunde der Rassen Old English Mastiff und Mastín Español in die Wiederaufbauzucht eingekreuzt, um den extrem kleinen Gründerbestand zu erweitern. 1976 begann unter DKK-Aufsicht die eigentliche Rekonstruktionszucht, getragen von einer kleinen Gruppe engagierter Züchter, die sich später als «Broholmerselskabet» (Gesellschaft zur Wiederherstellung der Broholmer-Rasse) organisierten.
1998 wurde der Broholmer von der FCI als eigenständige dänische Rasse anerkannt (Standard Nr. 315). Der aktuell gültige Standard datiert vom 03.05.2025 (Dokumentdatum 16.05.2025); offizielle Standardsprache ist seither Englisch, übersetzt durch das DKK Standard Committee – die auf fci.be hinterlegte deutsche Übersetzung ist zum Recherchezeitpunkt noch nicht aktualisiert und zeigt weiterhin die Fassung von 2000. In Deutschland blieb die Rasse bis heute sehr selten: Der Zuchtverein «Broholmer Deutschland e. V.» ist erst seit Januar 2024 VDH-Mitglied; laut VDH wurden 2023 bundesweit 113 Broholmer-Welpen gemeldet.
Wesen & Charakter
Der FCI-Standard beschreibt das Wesen des Broholmers als «ruhig, gutartig, freundlich, dennoch wachsam», mit der ausdrücklichen Forderung nach «großem Selbstvertrauen». Als disqualifizierender Fehler gilt ausdrücklich, wenn ein Hund «aggressiv oder übermäßig ängstlich» ist – der Standard positioniert die Rasse damit bewusst zwischen reiner Schärfe und Übervorsicht.
Historisch ist der Broholmer ein doppelt geprägter Hund: Im Mittelalter als Jagdhund für die Hirschjagd genutzt, seit dem 18. Jahrhundert nahezu ausschließlich als Wach- und Begleithund für Höfe und Güter gezüchtet. Der heutige FCI-Verwendungszweck lautet folgerichtig nur noch «Begleithund, Wachhund» – eine Jagdverwendung ist im aktuellen Standard nicht mehr vorgesehen. Wichtig für eine seriöse Wesensbeschreibung: Die von Coppinger beschriebene, modifizierte Jagdinstinktkette (Orientieren – Fixieren – Anschleichen – Hinterherjagen – Fangbiss – Tötungsbiss – Aufreißen – Fressen) ist in der internen Ethologie-Wissensbasis bislang nur für Vorsteh-, Hüte-, Apportier- und Terrierrassen mit fachlicher Quelle belegt zugeordnet. Der Broholmer gehört keiner dieser Gruppen an; seine Wachsamkeit wird hier deshalb NICHT als Rest dieser Jagdsequenz behauptet, sondern auf die allgemeinen domestikationsbedingten Verhaltensänderungen (reduzierter Fluchtabstand, erhöhte Bindungsfähigkeit an Menschen, siehe ethologie-wissensbasis-rasseportraits.md, Abschnitt 1) sowie auf die über Jahrhunderte gezielte Selektion auf Hof-/Grundstücksbewachung zurückgeführt – plausibel und historisch belegt, aber bewusst nicht als Instinktketten-Rest überhöht.
Auffällig und im Standard konkret beschrieben ist der Wechsel der Körperhaltung je nach Erregungslage: In Ruhe trägt der Broholmer den Kopf eher tief und gesenkt, die Rute hängt säbelförmig; bei Aufmerksamkeit oder Erregung werden Kopf und Rute (bis über die Horizontale) deutlich angehoben. Dieses vom Standard selbst dokumentierte Signal ist ein konkreter, gut beobachtbarer Kommunikationshinweis für Halter. Die für Molosser typische, dicke und lose Haut (besonders am Hals) sowie die hängenden Lefzen reduzieren gleichzeitig die Sichtbarkeit feinerer mimischer Signale (vgl. Feddersen-Petersen zur eingeschränkten mimischen Bandbreite bei stark veränderten Rassetypen) – ein weiterer praxisrelevanter Hinweis für die Wesensdeutung.
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Erziehung & Beschäftigung
Die im Standard geforderte Ruhe und Gelehrigkeit erleichtern die Grunderziehung, ersetzen aber keine konsequente, gewaltfreie Ausbildung – gerade weil ein ausgewachsener Rüde bis zu 70 kg wiegt und sein Wachverhalten ernst genommen werden muss. Erziehung erfolgt über positive Verstärkung und klaren Aufbau von Vertrauen und Kommunikationssignalen, nicht über Unterordnungs- oder «Rudelführer»-Konzepte, die nach aktueller Freilandforschung (Mech, Boitani) als widerlegt gelten.
Weil Wachsamkeit gegenüber Fremden Teil des dokumentierten Rassezwecks ist, kommt es bei unzureichender Sozialisation leicht zu Fehldeutungen als Aggression. Fachlich richtig eingeordnet handelt es sich meist um positive oder ambivalente Erregung in einer neuen Reizsituation – Bestrafung von Wach-/Alarmverhalten ist kontraproduktiv: Studien zu aversiven Trainingsmethoden (Vieira de Castro et al. 2020, PLOS ONE; Ziv 2017, Journal of Veterinary Behavior) zeigen erhöhtes Stress- und Angstverhalten sowie geringere Trainingseffektivität bei strafbasierten Methoden – die fachliche Begründung liegt in dieser Studienlage, nicht in vermeintlichen rassetypischen körperlichen Besonderheiten.
Wird zuvor unerwünschtes Verhalten (z. B. Anspringen aus Begrüßungsfreude, Ziehen an der Leine) plötzlich nicht mehr belohnt, ist ein kurzfristiger Anstieg der Häufigkeit oder Intensität (Extinktionsburst) zu erwarten, bevor das Verhalten abnimmt – bei einem derart kräftigen Hund sollten Halter darauf vorbereitet sein und in der Übergangsphase konsequent bleiben, statt aus Sicherheitsbedenken vorzeitig wieder zu belohnen. Geeignete Beschäftigung liegt laut VDH u. a. in ruhiger Leinenarbeit, Mantrailing und geführter Rettungshundearbeit – Ausdauersport ist wegen des mittleren Aktivitätslevels und der Gelenkbelastung einer Riesenrasse weniger geeignet. Der Besuch einer Hundeschule mit Erfahrung im Umgang mit großen, selbstbewussten Rassen ist empfehlenswert.
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Pflege & Gesundheit
Das kurze, dicht anliegende Fell mit Unterwolle ist pflegeleicht (regelmäßiges Bürsten reicht); die für Molosser typische lose Haut am Hals und die hängenden Lefzen führen jedoch zu sichtbarem Sabbern/Geifern, das im Alltag eingeplant werden sollte – ein direkt aus der FCI-Standardbeschreibung (Haut «üppig, besonders am Hals»; Lefzen «hängend») ableitbarer, rein anatomischer Pflegeaspekt, keine Verhaltensfrage.
Das offizielle dänische Zuchtprogramm (Dansk Kennel Klub gemeinsam mit dem Broholmerselskabet) schreibt für die Zuchtzulassung ein Röntgen-Screening auf Hüftgelenksdysplasie (HD, mit HD-Index-Mindestwert für Verpaarungen) sowie auf Ellbogengelenksdysplasie (AD) vor, ergänzt um Kontrollen auf Osteochondrose (OCD), Spondylose sowie eine Herzuntersuchung auf subvalvuläre Aortenstenose (SAS). Dass eine Riesenrasse ein derart umfassendes orthopädisches und kardiologisches Screening-Programm benötigt, ist selbst ein Beleg für ein rassetypisch erhöhtes Risiko in diesen Bereichen. Als tiefbrüstige Riesenrasse (FCI-Standard: «Brustkorb mächtig und tief») besteht zudem grundsätzlich ein erhöhtes Risiko für Magendrehung (Gastric Dilatation-Volvulus), wie es die veterinärmedizinische Literatur für tiefbrüstige, großwüchsige Rassen allgemein dokumentiert (Glickman et al. 2000, JAVMA) – hierzu liegt keine Broholmer-spezifische epidemiologische Studie vor, das Risiko ergibt sich aus der Körperform, nicht aus einer rassespezifischen Einzelstudie.
Peer-reviewt dokumentiert ist außerdem eine eingeschränkte genetische Vielfalt der heutigen Population: Eine SNP-Genotypisierung von 22 Broholmern (Pertoldi et al. 2013, Journal of Animal Science) fand eine im Vergleich zu vier anderen dänischen Rassen mittlere bis niedrige erwartete Heterozygotie und führt dies explizit auf Gründereffekt und genetische Drift infolge der extrem kleinen Ausgangspopulation nach 1975 zurück («only a handful of founders were identified and used to reconstruct the breed»); ein einzelnes untersuchtes Tier wich genetisch deutlich vom übrigen Rassebild ab, obwohl es aufgrund phänotypischer Ähnlichkeit zur Zucht zugelassen worden war.
Redaktionelle Einordnung des Lexikons: Der Broholmer erfüllt nach den hier zugrunde gelegten Kriterien kein Merkmal, das eine Qualzucht-Kennzeichnung nach § 11b TierSchG rechtfertigen würde – der Standard fordert weder eine brachyzephale Kopfform (Ober- und Unterkiefer sind ausdrücklich gleich lang) noch exzessive Hautfalten (die Halshaut wird im Standard bewusst als «nicht übermäßig» beschrieben) noch andere in der Qualzucht-Linie des Lexikons gelistete schädigende Zuchtmerkmale. `qualzucht_flag` steht daher auf «nein». Die oben genannten Risiken (Gelenke, Herz, Magendrehung, eingeschränkte genetische Vielfalt) sind gleichwohl real und rechtfertigen `risikoflag_rechner = ja` – diese Einordnung ersetzt keine tierärztliche oder behördliche Einzelfallbewertung nach § 11b TierSchG, die weiterhin allein den zuständigen Behörden obliegt.
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Häufige Fragen zum Broholmer
Nein. Der Broholmer steht in keinem der 16 Bundesländer auf einer Rasseliste (Stand 08/2026, geprüft u. a. gegen LHundG NRW § 10, die Bayerische Kampfhundeverordnung und das Hamburgische Hundegesetz). Als großer, wachsamer Molosser sollten Halter dennoch die allgemeinen Haftpflicht- und Anleinregeln des jeweiligen Bundeslands prüfen.
Kein pauschales Ja oder Nein: Die geforderte Ruhe und Gelehrigkeit erleichtern die Grunderziehung, doch Körpergröße, Wachverhalten und das dokumentierte Gesundheitsrisiko (Gelenke, Herz, Magendrehung) erfordern Vorerfahrung mit großen Rassen und einen Züchter mit nachweislichem HD-/AD-/Herz-Screening.
Nach dem Kostenrechner-Regelwerk für die Größenklasse riesig mit Risikoaufschlag ca. 140–250 € monatlich (Futter, tierärztliche Grundvorsorge, Versicherung), zzgl. einmaliger Anschaffungskosten von ca. 1.500–3.500 € für einen Welpen aus anerkannter Zucht.
Weil keines der im Standard geforderten Merkmale (z. B. brachyzephale Kopfform, exzessive Hautfalten) selbst schädigend ist – die Risiken (Gelenke, Herz, Magendrehung, eingeschränkte genetische Vielfalt) sind bei Riesenrassen bzw. wiederaufgebauten Kleinpopulationen verbreitet, aber kein vom Standard verlangtes schädigendes Einzelmerkmal. Das Lexikon kennzeichnet solche Fälle als Risiko (risikoflag_rechner = ja), nicht als Qualzucht – eine rein redaktionelle Einordnung, die eine § 11b-Bewertung durch Behörden nicht ersetzt.
Weil die Rasse nach dem Zweiten Weltkrieg fast ausstarb und ab 1975 aus einer Handvoll Tieren – darunter nur ein einziger unfruchtbarer Rüde mit typischem Phänotyp – sowie eingekreuzten Mastiff-/Mastín-Español-Linien neu aufgebaut wurde. Eine SNP-Studie (Pertoldi et al. 2013) bestätigt eine dadurch bedingte, im Rassenvergleich mittlere bis niedrige genetische Vielfalt.
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