Curly Coated Retriever

FCI-Gruppe 8 · Sektion 1 · Apportierhunde, mit Arbeitsprüfung
Curly Coated Retriever
Der Curly Coated Retriever gilt als der älteste der englischen Apportierhund-Rassen: Bildliche Darstellungen aus dem 18. Jahrhundert zeigen bereits Hunde vom heutigen Typ. Wichtig zu wissen: Hüftgelenksdysplasie (HD), Augenerkrankungen (cord1/crd4-PRA über eine RPGRIP1-Genmutation, hereditärer Katarakt, Entropium/Distichiasis), Glykogenspeicherkrankheit Typ IIIa (GSD IIIa, AGL-Gen, autosomal-rezessiv), Exercise-Induced Collapse (EIC, DNM1-Gen) …
Größe
♂ 69 cm · ♀ 64 cm
Gewicht
♂ 32–41 kg · ♀ 23–35 kg
Lebenserwartung
10–14 Jahre
Aktivität
Hoch
Kosten / Monat
ca. 95–205 €
Rasseportrait
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Steckbrief
FCI-Gruppe
Gruppe 8 (Apportierhunde, Stöberhunde, Wasserhunde), Sektion 1 (Apportierhunde, mit Arbeitsprüfung), FCI-Standard Nr. 110 — 28.07.2009 (Datum der Publikation des gültigen offiziellen Standards laut FCI-Originaldokument; englische Originalfassung vom 23.11.2009, deutsche Übersetzung vom 27.01.2010)
Herkunft
Großbritannien
Größe
Rüde: 69 cm Widerristhöhe (FCI-Standard nennt einen einzigen Idealwert ohne Toleranzspanne) · Hündin: 64 cm Widerristhöhe (FCI-Standard nennt einen einzigen Idealwert ohne Toleranzspanne)
Gewicht
Rüde: ca. 32–41 kg (der FCI-Standard macht keine Gewichtsvorgabe, nur „Gewicht im Verhältnis zur Größe“; Praxis-Richtwert laut edogs.de und Deutscher Retriever Club e. V.) · Hündin: ca. 23–35 kg (Praxis-Richtwert laut edogs.de und Deutscher Retriever Club e. V.; FCI-Standard macht keine eigene Gewichtsvorgabe)
Lebenserwartung
10–14 Jahre (Quellen variieren: eine 2024 UK-Kohortenstudie wird mit 12,2 Jahren mittlerer Lebenserwartung zitiert [Quelle: en.wikipedia.org], deutsche Rasseportale nennen 9–14 bzw. 10–12 Jahre)
Fellfarben
Laut FCI-Standard ausschließlich Schwarz oder Braun (Liver) — keine weiteren Farben oder Farbkombinationen zulässig.
Aktivitätslevel
Hoch — Der FCI-Standard beschreibt das Wesen wörtlich als „intelligent, ausgeglichen, verlässlich.
Pflegeaufwand
Gering — Das dichte, kleinlockige Fell des Curly Coated Retriever braucht — anders als man bei einer „Locken-Rasse“ vermuten könnte — ausdrücklich KEINE regelmäßige Bürstenpflege: Mehrere …
Anfängergeeignet
Kein pauschales Ja oder Nein: Die grundsätzlich hohe Lernbereitschaft macht die Grunderziehung technisch machbar, doch die ungewöhnlich lange Reifephase von rund drei Jahren und der eigenständige, für Wasserarbeit auf Distanz gezüchtete Charakter verlangen mehr Geduld als bei etablierteren Retriever-Rassen — mit realistischen Erwartungen und Zugang zu erfahrener Unterstützung ist die Rasse gut machbar.
Listenhund-Status
Kein Listenhund — in keinem der 16 Bundesländer gelistet (Stand: 21.08.2026)
Geschätzte Kosten
Anschaffung 1200–2.200 € · laufend ca. 95–205 €/Monat — Details im Kostenrechner unten
Herkunft & Geschichte
Der Curly Coated Retriever gilt als der älteste der englischen Apportierhund-Rassen: Bildliche Darstellungen aus dem 18. Jahrhundert zeigen bereits Hunde vom heutigen Typ. Er entstand vermutlich im frühen 19. Jahrhundert in Großbritannien aus Kreuzungen des heute ausgestorbenen St. John’s Water Dog (der über Kabeljau-Fischer aus Neufundland nach England gelangte) und wasserspaniel-artiger Hunde vom Typ des Old English Water Spaniel; im weiteren 19. Jahrhundert kam laut mehreren Quellen eine Einkreuzung des Pudels hinzu, um straffere, wasserabweisendere Locken zu erzielen. Zusammen mit dem Wavy-Coated Retriever (dem späteren Flat-Coated Retriever) zählte der Curly Coated Retriever zu den ersten beiden offiziell anerkannten Retriever-Rassen überhaupt: Der britische Kennel Club erkannte die Rasse 1854 an, 1860 wurde sie erstmals auf einer Hundeausstellung in Birmingham gezeigt.
Ein hartnäckiger Mythos hält sich bis heute: der Curly Coated Retriever sei „im Grunde ein Pudel“. Genomweite Abstammungsanalysen zeichnen jedoch ein anderes Bild — sie zeigen, dass der Curly Coated Retriever und der Irish Water Spaniel genetisch enger miteinander verwandt sind als mit jeder anderen Rasse, einschließlich des Pudels. Die historisch dokumentierte Pudel-Einkreuzung hat demnach die sichtbare Fellstruktur mitgeprägt, ohne die Rasse zu einem „Pudel-Mix“ im heutigen Sinn zu machen (mehr dazu im Mitglieder-Bereich Verhaltenswissenschaft).
Aktuell gültig ist der FCI-Standard Nr. 110, klassifiziert in Gruppe 8 (Apportierhunde, Stöberhunde, Wasserhunde), Sektion 1 (Apportierhunde), mit Arbeitsprüfung. Das Datum der Publikation des gültigen offiziellen Standards ist der 28.07.2009 (englische Originalfassung vom 23.11.2009, deutsche Übersetzung vom 27.01.2010). Als Verwendungszweck nennt die FCI schlicht „Apportierhund“ — historisch wurde die Rasse sowohl für die Wasserjagd auf Wasservögel als auch als vielseitiger Jagdbegleiter für Federwild an Land eingesetzt.
Heute ist der Curly Coated Retriever eine der seltensten Retriever-Rassen weltweit. In Deutschland kommen Schätzungen zufolge nur rund ein Dutzend Welpen pro Jahr zur Welt, der deutsche Gesamtbestand wird auf ungefähr einhundert Tiere geschätzt (Quelle: DogWeb.de-Rechercheangabe). Weltweite Bestandsschätzungen schwanken je nach Quelle deutlich zwischen rund 1.000 (drahtco.com) und rund 5.000 registrierten Hunden (CCRAOFGB, britischer Rasseclub) — beide Werte werden hier bewusst als Spanne benannt, da keine der beiden Quellen eine belastbare Zähl-Methodik offenlegt.
Wesen & Charakter
Der FCI-Standard beschreibt das Wesen wörtlich als „intelligent, ausgeglichen, verlässlich. Mutig, freundlich, selbstbewusst und unabhängig; kann den Eindruck von zurückhaltend erwecken.“ Diese letzte Formulierung ist kein zufälliger Nebensatz, sondern ein Schlüssel zum Charakter der Rasse: Anders als der später gezüchtete Labrador oder Golden Retriever, die gezielt auf engen Blickkontakt und sofortige Handlerorientierung selektiert wurden, arbeitete der Curly Coated Retriever historisch eigenständiger und in größerer Distanz zum Jäger bei der Wasserjagd — was ein selbstständigeres, weniger auf permanente Rückversicherung angewiesenes Temperament begünstigte.
Als Mitglied der FCI-Gruppe 8 (Apportierhunde) zeigt auch der Curly Coated Retriever die für diese Gruppe typische Modifikation der ursprünglichen Beutefangsequenz nach Coppinger (Orientieren – Fixieren – Anschleichen – Hinterherjagen – Fangbiss – Tötungsbiss – Aufreißen – Fressen): Der Tötungsbiss ist stark gehemmt, der Fangbiss zu einem sanften, kontrollierten Halten und Tragen umgelenkt — die Grundlage für zuverlässiges, unversehrtes Apportieren von Wasserwild.
Die im Standard genannte Zurückhaltung gegenüber Fremden ist ausdrücklich kein Freibrief für Ängstlichkeit oder Aggression: Der Standard selbst listet „aggressive oder übermäßig ängstliche Hunde“ explizit als disqualifizierenden Fehler. Gemeint ist ein selbstbewusstes Abwarten und Einschätzen statt überschwänglicher Fremdenfreundlichkeit — ein Unterschied, der bei konsequenter, breit angelegter Sozialisierung in der sensiblen Phase (ca. 3. bis 12./16. Lebenswoche) deutlich leichter zu einem entspannten erwachsenen Hund führt als bei vernachlässigter Sozialisierung.
Rasseclubs weisen zudem übereinstimmend darauf hin, dass der Curly Coated Retriever ungewöhnlich spät ausreift — üblicherweise erst mit etwa drei Jahren. Ein Curly, der mit anderthalb Jahren noch „welpenhaft“ testet und Grenzen auslotet, liegt damit voll im Rassestandard, nicht außerhalb.
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Erziehung & Beschäftigung
Positive Verstärkung funktioniert beim Curly Coated Retriever grundsätzlich gut, verlangt aber — anders als etwa beim sehr schnell konditionierbaren Labrador — häufig mehr Geduld und Wiederholungen. Der britische Rasseclub CCRAOFGB weist ausdrücklich darauf hin, dass die Rasse „nicht für schnelle Trainingsmethoden“ geeignet ist und stattdessen Zeit, Geduld und ruhige Konsequenz braucht.
Am besten entspricht der ursprünglichen Zuchtbestimmung eine gezielte Kanalisierung des Apportier- und Wasserinstinkts: Dummytraining, Apportierarbeit an und im Wasser sowie kontrollierte Suchspiele bieten artgerechte Auslastung. Da die Rasse historisch eigenständiges Arbeiten auf Distanz zum Hundeführer gewohnt ist, lohnt sich zusätzlich ein bewusster, systematischer Aufbau von Rückruf und Distanzkontrolle, statt sich allein auf die grundsätzlich hohe Kooperationsbereitschaft zu verlassen.
Wegen der im Standard genannten Zurückhaltung gegenüber Fremden ist eine breit angelegte, positive Sozialisierung in der sensiblen Welpenphase (ca. 3. bis 12./16. Lebenswoche) besonders wichtig — deutlich wichtiger als bei Rassen, die von Natur aus überschwänglich fremdenfreundlich sind. Negative Erlebnisse wirken in dieser Phase stärker nach als später im Leben, während milder, gut dosierter Stress die spätere Frustrationstoleranz fördert.
Von Dominanzansätzen ist grundsätzlich abzuraten — sie gelten nach aktueller Freilandforschung (Mech, Boitani) als überholt und sind für den kooperativen, aber eigenständigen Charakter des Curly Coated Retriever wenig zielführend. Angesichts der langen Reifephase profitieren Halter besonders von Hundeschulen mit Erfahrung sowohl in Welpenförderung als auch im Umgang mit spätreifen, eigenständig denkenden Jagdhunderassen.
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Pflege & Gesundheit
Das dichte, kleinlockige Fell des Curly Coated Retriever braucht — anders als man bei einer „Locken-Rasse“ vermuten könnte — ausdrücklich KEINE regelmäßige Bürstenpflege: Mehrere Rasseportale und der britische Rasseclub empfehlen stattdessen, das Fell gelegentlich anzufeuchten und durchzumassieren bzw. es nach dem Schwimmen einfach an der Luft trocknen zu lassen. Regelmäßiges Bürsten kann die feine Lockenstruktur sogar aufbrechen — ein Zusammenhang, der auch mit der unten beschriebenen follikulären Fragilität der Rasse zusammenhängt.
Wie viele große, aktive Rassen zeigt auch der Curly Coated Retriever ein dokumentiertes Hüftgelenksdysplasie-Risiko (durchschnittlicher HD-Grad im britischen Zuchtscreening im Bereich B–C laut CCRAOFGB) sowie mehrere Augenerkrankungen: hereditärer Katarakt sowie die cord1/crd4-Form der progressiven Retinaatrophie (PRA), verursacht durch eine Mutation im RPGRIP1-Gen; zusätzlich werden Entropium und Distichiasis rassetypisch genannt.
Genetisch gut dokumentiert ist zudem die Glykogenspeicherkrankheit Typ IIIa (GSD IIIa): eine autosomal-rezessiv vererbte Mutation im AGL-Gen (Glykogen-Debranching-Enzym), die zu Muskelschwäche, Belastungsintoleranz und episodischer Unterzuckerung führt, meist ab dem zweiten Lebensjahr sichtbar (Gregory et al. 2007). Ein Gentest ist verfügbar. Ebenfalls dokumentiert ist Exercise-Induced Collapse (EIC), verursacht durch eine Mutation im DNM1-Gen: In einer Studie waren rund 40 % der untersuchten Curly Coated Retriever Genträger, rund 18 % tatsächlich betroffen (Minor et al. 2011) — nach intensiver Belastung kommt es zu vorübergehender, meist innerhalb von 30 Minuten reversibler Hinterhand-Schwäche.
Eine rassetypische Besonderheit betrifft ausgerechnet das namensgebende Merkmal der Rasse: Dasselbe KRT71-Genallel (die sogenannte „c2-Variante“), das die charakteristischen engen Locken verursacht, macht den Haarschaft zugleich brüchiger und schwächer in der Haut verankert. Das begünstigt eine Form der follikulären Dysplasie, umgangssprachlich „Curly Coat Pattern Baldness“ (CCPB) genannt: symmetrischer, nicht-juckender Haarausfall vor allem an Oberschenkelrückseite, Achseln, Rücken und Hals, oft ausgelöst durch mechanische Reibung (z. B. Geschirre), mit Beginn meist vor dem 18. Lebensmonat. In einer britisch-schwedischen Fragebogenstudie berichteten 39 von 90 befragten Haltern über entsprechende Symptome bei ihrem Hund (Bond et al. 2016; genetische Grundlage: Bauer et al. 2018/2019). Zusätzlich gilt die Rasse aufgrund ihres tiefen Brustkorbs als potenziell durch Magendrehung (Gastric Dilatation-Volvulus, GDV) gefährdet, und der britische Rasseclub nennt Krebs als häufigste Todesursache in der Rasse.
Keines dieser dokumentierten Risiken beruht auf einer extremen morphologischen Übertreibung im Sinne von § 11b TierSchG (keine Brachyzephalie/BOAS, keine Chondrodystrophie/IVDD, keine Syringomyelie, keine übermäßige Hautfaltenbildung, kein Merle-bedingtes Taubheitsrisiko, kein extremer Zwergwuchs) — der Curly Coated Retriever gilt daher nicht als Qualzucht-Rasse nach der aktuell gültigen Fassung von § 11b TierSchG (gesetze-im-internet.de). Die follikuläre Dysplasie ist zwar ursächlich an dasselbe Gen gekoppelt, das das preisgekrönte Zuchtmerkmal „Locken“ hervorbringt — sie stellt aber keine funktionale Beeinträchtigung von Atmung, Bewegung oder Geburtsvorgang dar und fällt damit nicht unter die für Qualzucht typischen Übertreibungskategorien. Die dokumentierten genetischen Risiken rechtfertigen dennoch eine informierte Kaufentscheidung, gezielte Gentests vor der Zucht (für GSD IIIa und EIC verfügbar) und ggf. eine Krankenversicherung mit entsprechendem Risikoaufschlag.
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Häufige Fragen zum Curly Coated Retriever
Kein pauschales Ja oder Nein: Die Rasse ist grundsätzlich lernfähig und kooperativ, reift aber ungewöhnlich spät (ca. 3 Jahre) und wurde für eigenständiges Arbeiten gezüchtet — wer Grundwissen zu Lerntheorie, Geduld für eine lange Entwicklungsphase und Zugang zu erfahrener Unterstützung mitbringt, kommt gut zurecht; ohne diese Voraussetzungen wird die Rasse häufig unterschätzt.
Nein, das ist ein verbreiteter Mythos. Genomweite Abstammungsstudien zeigen, dass der Curly Coated Retriever genetisch am engsten mit dem Irish Water Spaniel verwandt ist, nicht mit dem Pudel. Eine historische Pudel-Einkreuzung im 19. Jahrhundert ist zwar dokumentiert und prägte die Fellstruktur mit, macht die Rasse aber genetisch nicht zu einem Pudel-Abkömmling.
Die Rasse zählt zu den seltensten Retrievern weltweit: In Deutschland kommen Schätzungen zufolge nur rund ein Dutzend Welpen pro Jahr zur Welt. Die geringe Zuchtbasis führt zu langen Wartezeiten und Preisen im oberen Bereich der üblichen Rassehunde-Spanne.
Nein. Er steht in keinem der 16 Bundesländer auf einer Rasseliste für gefährliche Hunde.
Anders als bei vielen anderen Rassen gilt: möglichst NICHT regelmäßig bürsten, da das die feinen Locken aufbricht und das ohnehin follikulär empfindlichere Fell zusätzlich belastet. Stattdessen das Fell gelegentlich anfeuchten und durchmassieren bzw. nach dem Schwimmen einfach an der Luft trocknen lassen.
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