Gordon Setter

FCI-Gruppe 7 · Sektion 2.2 · Britische und irische Vorstehhunde, Setter
Gordon Setter
Der Gordon Setter (Gordon Setter) stammt aus Großbritannien und gilt als der älteste der britischen Setter-Typen: Seine Zucht wird auf die Ländereien des Duke of Gordon auf Gordon Castle im schottischen Banffshire zurückgeführt … Wichtig zu wissen: Dokumentierte rassespezifische Risiken: familiäre Protein-losing Enteropathy (PLE, Genomstudie Donnini et al. 2021), erbliche zerebelläre Ataxie über RAB24-Gendefekt (Hernandez et al. 2014, PLoS Genetics) …
Größe
♂ 66 cm · ♀ 62 cm
Gewicht
♂ 29,5 kg · ♀ 25,5 kg
Lebenserwartung
10–12 Jahre
Aktivität
Sehr hoch
Kosten / Monat
ca. 95–190 €
Rasseportrait
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Steckbrief
FCI-Gruppe
Gruppe 7 (Vorstehhunde), Sektion 2.2 (Britische und irische Vorstehhunde, Setter), FCI-Standard Nr. 6 — Datum der Publikation des gültigen offiziellen Standards: 04.04.2016; englische Fassung 01.06.2016, deutsche Übersetzung 02.06.2016 (FCI-Standard Nr. 6) — keine neuere Revision auffindbar, Stand der Prüfung 21.08.2026
Herkunft
Großbritannien (historisch Schottland: Zucht auf den Ländereien des Duke of Gordon, Gordon Castle)
Größe
Rüde: 66 cm Widerristhöhe (FCI-Standard Nr. 6; Idealmaß — jede Abweichung wird als Fehler bewertet) · Hündin: 62 cm Widerristhöhe (FCI-Standard Nr. 6)
Gewicht
Rüde: 29,5 kg (FCI-Standard Nr. 6 — der Standard nennt beim Gordon Setter im Gegensatz zu vielen anderen Rassen konkrete Gewichte) · Hündin: 25,5 kg (FCI-Standard Nr. 6)
Lebenserwartung
10–12 Jahre (Royal Canin Breed Guide, FCI-basierte Angabe); die peer-reviewte KC-UK-Studie von Teng et al. 2018 ordnet den Gordon Setter mit einem medianen Sterbealter über 10,5 Jahren den längerlebigen Rassen zu — Spanne wird transparent als 10–12 Jahre ausgewiesen
Fellfarben
Tiefglänzendes Kohlschwarz ohne Rostschimmer mit leuchtend kastanienrotem Brand: zwei deutlich erkennbare Punkte über den Augen (max. 2 cm Durchmesser), Brand an den Fangseiten bis zum Nasenansatz, an Kehle und Brust zwei große, deutlich abgegrenzte Flecken, an den Innenseiten der Hinterläufe und Oberschenkel, vor dem Kniegelenk, von den Sprunggelenken zu den Zehen, an den Vorderläufen bis zum Ellenbogen sowie rund um den After; schwarze Strichelung (pencil markings) auf den Zehen und ein schwarzer Strich unter dem Unterkiefer erlaubt; ein sehr kleiner weißer Brustfleck gestattet — keine andere Farbe erlaubt (FCI-Standard Nr. 6)
Aktivitätslevel
Sehr hoch — Der FCI-Standard beschreibt das Wesen des Gordon Setters wörtlich als „intelligent, leistungsfähig, von vornehmer Gelassenheit.
Pflegeaufwand
Mittel — Die Fellpflege ist überschaubar, aber regelmäßig: Das mittellange, glatte Fell mit der langen Befederung an Beinen, Brust und Bauch sowie der Fahne an der Rute sollte zwei- bis …
Anfängergeeignet
Kein pauschales Ja oder Nein: Die hohe Lernfähigkeit und Freundlichkeit erleichtern die Grundausbildung, doch der sehr hohe tägliche Bewegungs- und Beschäftigungsbedarf, der ausgeprägte Vorsteh-/Jagdinstinkt und die für die Rasse dokumentierten Erbkrankheiten verlangen realistisches Grundwissen über Instinktverhalten — ohne Vorbereitung oder Begleitung durch eine Hundeschule ist die Rasse für Erstlingshalter nur bedingt geeignet.
Listenhund-Status
Kein Listenhund — in keinem der 16 Bundesländer gelistet (Stand: 21.08.2026)
Geschätzte Kosten
Anschaffung 900–2.500 € · laufend ca. 95–190 €/Monat — Details im Kostenrechner unten
Herkunft & Geschichte
Der Gordon Setter (Gordon Setter) stammt aus Großbritannien und gilt als der älteste der britischen Setter-Typen: Seine Zucht wird auf die Ländereien des Duke of Gordon auf Gordon Castle im schottischen Banffshire zurückgeführt, wo ab dem späten 18. Jahrhundert schwarz-lohfarbene Vorstehhunde für die Federwildjagd selektiert wurden — als Grundlage dienten unter anderem schwarze und schwarz-lohfarbene Landspaniels sowie Einkreuzungen des heute ausgestorbenen „Black and Tan Setter“-Typs. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein wurde die Rasse daher auch „Gordon Castle Setter“ genannt, ehe sie sich unter dem Namen Gordon Setter etablierte (Quellen: FCI-Standard Nr. 6; VDH „Unser Rassehund“; AKC-Breed-History zur Gordon-Setter-Herkunft).
Die vier Setter-Rassen entstanden parallel in Großbritannien und Irland: England brachte den English Setter hervor, Schottland den Gordon Setter, Irland den Irish Setter und den Irish Red and White Setter — vier eigenständige Zuchten mit je eigenem FCI-Standard, die stammesgeschichtlich mit den kontinentalen Vorstehhunden (Bretone, Münsterländer, Deutsch Langhaar) verwandt sind (Quelle: VDH „Unser Rassehund“, Ausgabe 08/2010).
Die FCI führt Großbritannien als Ursprungsland; der aktuell gültige Standard Nr. 6 wurde am 04.04.2016 publiziert (deutsche Übersetzung 02.06.2016). Der Gordon Setter wird bis heute als Jagdgebrauchshund mit Arbeitsprüfung geführt — in Deutschland betreut der Verein für Pointer und Setter e. V. die Rasse als zuchtbuchführender Verband, daneben existiert der Gordon Setter Club Deutschland e. V. (Quellen: FCI-Standard Nr. 6; VDH; gordon-setter.de). Im britischen Kennel Club zählt die Rasse wegen der geringen Registrierungszahlen zu den seltenen einheimischen Rassen (Vulnerable Native Breeds, Stand 2024, Berichterstattung u. a. The Mirror/Daily Mail über die KC-Statistik).
Wesen & Charakter
Der FCI-Standard beschreibt das Wesen des Gordon Setters wörtlich als „intelligent, leistungsfähig, von vornehmer Gelassenheit. Mutig, offen, freundlich und ausgeglichen“ (FCI-Standard Nr. 6) — eine Beschreibung, die unmittelbar aus dem jahrhundertelangen Zuchtziel „Vorstehhund für die Niederwildjagd“ folgt: Ein Hund, der bei Wind und Wetter über Stunden im Feld arbeitet und Wild reglos anzeigt, kann sich weder Nervosität noch Aggressivität leisten.
Charakterprägend ist das namensgebende Vorstehen. Nach der modifizierten Beutefangsequenz (Orientieren – Fixieren – Anschleichen – Hinterherjagen – Fangbiss – Tötungsbiss – Aufreißen – Fressen, nach Coppinger) ist bei den Vorstehhunden der Schritt „Fixieren“ extrem verstärkt, während „Hinterherjagen“ und „Fangbiss“ gezielt unterdrückt wurden: Der Hund friert beim Wildkontakt reglos in der Vorstehhaltung ein, statt loszustürmen (Quelle: IHK Potsdam/BHV, Modul 4a Ethologie; Coppinger & Coppinger, „Dogs“). Im Alltag zeigt sich dieses Muster oft losgelöst vom Jagdkontext: Ein Vogelgeruch im Gebüsch oder eine frische Fährte genügen, damit der Hund für Sekunden bis Minuten in eine hochkonzentrierte, reglose Haltung wechselt — kein Ungehorsam, sondern eine tief verankerte Instinkthandlung.
Als Setter wurde die Rasse zusätzlich auf hohe Reizoffenheit, Ausdauer und Arbeitswillen selektiert — Eigenschaften, die ohne ausreichende Beschäftigung schnell in Unruhe, übermäßiges Bellen oder destruktives Verhalten umschlagen können. Das ist kein Charakterfehler, sondern die logische Konsequenz eines Zuchtziels, das auf stundenlange Feldarbeit ausgelegt war, nicht auf Wohnungshaltung ohne Aufgabe.
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Erziehung & Beschäftigung
Die hohe Lernfähigkeit und die ausgeprägte Menschenfreundlichkeit machen den Gordon Setter grundsätzlich gut trainierbar — vorausgesetzt, die Erziehung arbeitet konsequent mit positiver Verstärkung statt mit Unterdrückung. Von Dominanzansätzen ist ausdrücklich abzuraten: Sie widersprechen dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand zur Hundekommunikation (Vieira de Castro et al. 2020; Ziv 2017) und dem kooperativen Wesen der Rasse.
Zentrale Bausteine für eine artgerechte Beschäftigung leiten sich unmittelbar aus dem ursprünglichen Zuchtzweck ab: Nasenarbeit, Fährtenarbeit, Dummytraining, Apportierübungen und — wo rechtlich und praktisch möglich — geführte jagdliche Ausbildung sprechen die modifizierte Instinktkette gezielt an. Auch ohne aktive Jagdausübung lassen sich diese Bedürfnisse über Hundesport (Agility, Obedience, Mantrailing) und strukturierte Nasenarbeits-Programme decken — ein Aspekt, der besonders für Halter ohne Jagdschein relevant ist und in der Hundeschule gezielt aufgebaut werden kann.
Weil der Gordon Setter schnell lernt, lernt er auch unerwünschtes Verhalten schnell — etwa Ziehen an der Leine, wenn ein Wild- oder Beutegeruch eine instinktive Reaktion triggert, oder übermäßiges Bellen, wenn Aufmerksamkeit (auch unbeabsichtigt) belohnt wurde. Ein früh und konsequent trainierter Rückruf sowie gezieltes Impulskontrolltraining sind bei dieser Rasse wichtiger als bei vielen anderen. Die sensible Sozialisationsphase liegt bei etwa der 3. bis 12. Lebenswoche (primär 3.–7., sekundär ab der 7. Woche; je nach Quelle bis 14./16. Woche auslaufend, Scott & Fuller 1965) — in dieser Zeit gesammelte positive Erfahrungen prägen die spätere Gelassenheit der Rasse entscheidend.
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Pflege & Gesundheit
Die Fellpflege ist überschaubar, aber regelmäßig: Das mittellange, glatte Fell mit der langen Befederung an Beinen, Brust und Bauch sowie der Fahne an der Rute sollte zwei- bis dreimal wöchentlich gebürstet werden, um Verfilzungen in den Federpartien zu vermeiden; geschnitten oder getrimmt werden muss das Setterfell nicht. Der eigentliche Aufwand der Rasse liegt im Bewegungs- und Beschäftigungsprogramm sowie in mehreren dokumentierten Erbkrankheiten.
Hüftgelenksdysplasie (HD): Eine französische Langzeitstudie über das Röntgen-Screening 1997–2017 fand beim Gordon Setter einen signifikanten Rückgang der HD-Prävalenz von 36,9 % auf 23 % — die Rasse war damit eine von nur vier Rassen mit statistisch belegter Verbesserung, die historisch hohen Werte zeigen aber, wie wichtig konsequentes HD-Screening in der Zucht bleibt (PLOS ONE 2020, 15(7):e0235847).
Familiäre Protein-losing Enteropathy (PLE): Eine genomweite Untersuchung an 106 verwandten Gordon Settern identifizierte Kandidatengenregionen (u. a. RARB, TTC7A, SOCS5) für eine familiär gehäufte Eiweißverlust-Enteropathie, die bei der Rasse bereits in jungen Jahren auftreten kann (Donnini et al. 2021, Canadian Journal of Veterinary Research) — unsicher, weitere Prüfung empfohlen: ob die identifizierten Regionen kausal wirken, ist noch nicht abschließend geklärt.
Erbliche zerebelläre Ataxie: Bei Gordon Settern und Old English Sheepdogs wurde eine erbliche Ataxie mit Beginn zwischen 6 Monaten und 4 Jahren dokumentiert (Hypermetrie, Rumpfschwanken, Intentionstremor), assoziiert mit einem Defekt im Autophagie-Gen RAB24 (Hernandez et al. 2014, PLoS Genetics; Übersicht in Animals 2023).
Magendrehung (GDV): In der klassischen GDV-Risikoanalyse gehört der Gordon Setter zu den Rassen mit erhöhtem Odds Ratio (4,1; Glickman et al. 1994, zitiert in Piras et al. 2020, Genes) — begünstigt durch die tiefe, nicht zu breite Brust laut FCI-Standard. Mehrere kleinere Mahlzeiten, Ruhe nach dem Fressen und aufmerksame Beobachtung sind empfohlene Managementmaßnahmen.
Augen: Der Gordon Setter Club Deutschland e. V. schreibt in seiner Zuchtordnung u. a. eine HD-Röntgenuntersuchung (HD-Zentrale) und eine PRA-Augenuntersuchung (Progressive Retinaatrophie, rcd4-Mutation, durch Tierärzte des Dortmunder Kreises) als Zuchtzulassungsvoraussetzungen vor (gordon-setter.de).
Redaktionelle Einordnung des Lexikons: Der Gordon Setter ist kein Qualzucht-Fall im Sinne der §-11b-TierSchG-Diskussion — der FCI-Standard schließt physische Abnormalitäten explizit als disqualifizierende Fehler aus und verlangt ausschließlich funktional und klinisch gesunde Zuchthunde. Die Bewertung einzelner Zuchtpraktiken nach § 11b TierSchG (aktuelle Fassung, gesetze-im-internet.de) obliegt den Behörden.
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Häufige Fragen zum Gordon Setter
Ja, aber nur mit einem gezielten Ersatzprogramm: Nasenarbeit, Dummytraining, Fährtenarbeit oder Hundesport wie Mantrailing und Agility sprechen dieselbe modifizierte Instinktkette an wie die jagdliche Arbeit. Ohne ein solches Programm und ohne mehrstündige tägliche Auslastung wird die Rasse schnell unruhig oder verhaltensauffällig — eine begleitende Hundeschule kann beim Aufbau eines passenden Ersatzprogramms helfen.
Das ist die namensgebende Vorstehleistung: ein genetisch tief verankerter Instinkt, bei dem Wild-, Vogel- oder Beutegeruch die „Fixieren“-Phase der Beutefangsequenz auslöst, während Hinterherjagen und Fangbiss durch die Zucht unterdrückt wurden. Kein Ungehorsam, sondern ein Erbe des ursprünglichen Zuchtzwecks.
Der Gordon Setter Club Deutschland e. V. schreibt für die Zuchtzulassung u. a. eine HD-Röntgenuntersuchung (HD-Zentrale) und eine PRA-Augenuntersuchung (rcd4-Mutation) vor. Zusätzlich lohnt sich die offene Auskunft zu Fällen von Protein-losing Enteropathy (PLE), erblicher zerebellärer Ataxie (RAB24) und Magendrehung in der Zuchtlinie sowie zum Röntgenstatus der Elterntiere.
Kein pauschales Ja oder Nein: Die hohe Lernfähigkeit erleichtert die Grundausbildung, doch der sehr hohe Bewegungsbedarf, der ausgeprägte Instinktdruck und die für die Rasse dokumentierten Erbkrankheiten (siehe Pflege & Gesundheit) verlangen realistische Vorbereitung und im Zweifel professionelle Unterstützung durch eine Hundeschule oder Verhaltensberatung.
Im Rassedurchschnitt etwa 10 bis 12 Jahre (FCI-basierte Angabe, u. a. Royal Canin). Eine peer-reviewte Studie zu Kennel-Club-Hunden in Großbritannien ordnet den Gordon Setter mit einem medianen Sterbealter über 10,5 Jahren sogar den längerlebigen Rassen zu — die Spanne 10 bis 12 Jahre bildet beide Angaben ab.
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