Kangal-Hirtenhund

Kangal-Hirtenhund – Rasseportrait

FCI-Gruppe 2 · Sektion 2.2 · Molossoide, Berghunde

Kangal-Hirtenhund

Der Kangal-Hirtenhund (Kangal Çoban Köpeği) gilt in der Türkei als hochgeschätzter „Nationaler Hund“ und ist tief in die dortige Kultur eingebettet. Wichtig zu wissen: Hüftgelenksdysplasie (HD) – eigene radiologische Referenzwertstudie an gesunden Sivas-Kangal-Hunden (Sarierler et al. 2017); mehrere weitere genetisch bedingte Auffälligkeiten laut Tepeli (2004), u. a. Kryptorchismus, Gliedmaßen-Winkelungsfehler, Kiefer-/Gebissanomalien und Ankyloglossie; als große …

Größe

♂ 72–78 cm · ♀ 65–73 cm

Gewicht

♂ 48–60 kg · ♀ 40–50 kg

Lebenserwartung

12–15 Jahre

Aktivität

Hoch

Kosten / Monat

ca. 150–270 €

Rasseportrait

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Steckbrief

FCI-Gruppe

Gruppe 2 (Pinscher und Schnauzer – Molossoide – Schweizer Sennenhunde), Sektion 2.2 (Molossoide, Berghunde), FCI-Standard Nr. 331 — 15.06.2018 (Publikationsdatum des gültigen offiziellen Standards laut FCI-Kopfzeile; deutsche Übersetzungsfassung vom 19.06.2019, durch den VDH überprüft; der Standard löste am selben Datum die vorherige Fassung unter …

Herkunft

Türkei

Größe

Rüde: 72–78 cm Widerristhöhe, Toleranz +/–2 cm (FCI-Standard Nr. 331); Sekundärquelle zooroyal.de nennt abweichend 74–81 cm – FCI-Original als Primärwert übernommen, Abweichung als Spanne ausgewiesen · Hündin: 65–73 cm Widerristhöhe, Toleranz +/–2 cm (FCI-Standard Nr. 331); Sekundärquelle zooroyal.de nennt abweichend 71–79 cm

Gewicht

Rüde: 48–60 kg (FCI-Standard Nr. 331); Sekundärquelle zooroyal.de nennt abweichend 50–65 kg – Spanne transparent ausgewiesen, FCI-Original als Primärwert für die Größenklasse verwendet · Hündin: 40–50 kg (FCI-Standard Nr. 331); Sekundärquelle zooroyal.de nennt abweichend 40–55 kg

Lebenserwartung

12–15 Jahre (Quellen variieren: edogs.de nennt 12–15 Jahre, zooroyal.de „12 Jahre und mehr“; keine peer-reviewte, rassenspezifische Kohortenstudie zur Lebenserwartung gefunden – Angabe daher als Praxis-Richtwert aus Rasseportalen, nicht als wissenschaftlich verifizierte Zahl zu verstehen)

Fellfarben

Von Creme bis Wolfsgrau, die Körperfarbe soll einheitlich sein; Pflicht ist eine schwarze Maske, die am Schädel heller wird; wenig Weiß wird bevorzugt, weiße oder hellere Farbe bis 10 cm Breite an der Brust ist kein Fehler, weiße Abzeichen an der Kehle sind unerwünscht, sichtbare weiße Abzeichen an Pfoten/Füßen sind erlaubt (FCI-Standard Nr. 331)

Aktivitätslevel

Hoch — Der FCI-Standard beschreibt das Wesen des Kangal unmittelbar aus seinem historischen Arbeitsauftrag: „Standhaft und mutig, nicht aggressiv, von Natur aus …

Pflegeaufwand

Gering — Das dichte, raue, 3 bis 7 cm lange Deckhaar mit dichter Unterwolle (FCI-Standard Nr. 331) gilt in mehreren Rasseportalen (edogs.de, zooroyal.de) übereinstimmend als …

Anfängergeeignet

Kein pauschales Ja oder Nein: Mehrere unabhängige Rasseportale (edogs.de, zooroyal.de) raten Hunde-Einsteiger:innen von der Rasse ausdrücklich ab, da der Kangal als Herdenschutzhund ausgeprägte Wach- und Schutzmotivation, ein sehr hohes Körpergewicht und einen hohen Flächenbedarf mitbringt und laut FCI-Standard „von Natur aus selbständig“ arbeitet. Mit fundiertem Grundwissen zu Lerntheorie und Sozialisation, sehr viel Erfahrung im Umgang mit Herdenschutzhunden und einem großen, sicher eingezäunten Grundstück ist die Rasse im Einzelfall diskutierbar – ganz ohne Vorerfahrung und in beengter Wohnsituation ist sie nicht empfehlenswert.

Listenhund-Status

In 2 der 16 Bundesländer namentlich als Rassehund gelistet, in den übrigen 14 nicht (Stand 22.08.2026, Primärquellen: jeweiliges Landesgesetz/-verordnung sowie die Übersicht des Bundes gegen Missbrauch der Tiere e.

Geschätzte Kosten

Anschaffung 800–2.000 € · laufend ca. 150–270 €/Monat — Details im Kostenrechner unten

Herkunft & Geschichte

Der Kangal-Hirtenhund (Kangal Çoban Köpeği) gilt in der Türkei als hochgeschätzter „Nationaler Hund“ und ist tief in die dortige Kultur eingebettet. Laut FCI-Standard Nr. 331 lässt sich die genaue Historie von Herdenschutzhunden – anders als bei vielen jüngeren, gezielt gezüchteten Gebrauchshunderassen – kaum exakt rekonstruieren: Man geht davon aus, dass die aus Zentralasien eingewanderte türkische Bevölkerung, deren Lebensgrundlage die nomadische Viehwirtschaft war, ihre kräftigen Herdenschutzhunde mit sich führte. Der Ursprung des heutigen einheitlichen Typs wird im dicht besiedelten Gebiet der Osttürkei vermutet und hängt eng mit der Akkaraman-Schafrasse zusammen, die der Kangal historisch bewachte – beide Populationen teilen sich in den weiten, von Bergketten umrahmten Steppen dieselbe schwarze Maske auf cremefarbenem Mantel, was als eine Art natürliche Tarnung gedeutet wird. Der Rassename „Kangal“ geht laut Standard vermutlich auf die Stadt Kangal in der Provinz Sivas zurück, wo die Rasse durch außergewöhnliche Qualität und Einheitlichkeit internationale Anerkennung fand.

Eine für das Verständnis der heutigen Standardnummer wichtige, aber vom Varietäten-Thema getrennte Entwicklung betrifft die jüngere FCI-Geschichte: Bis Juni 2018 führte die FCI den Standard Nr. 331 unter dem Namen „Anatolian Shepherd Dog (Çoban Köpeği)“ – einer bewusst weiter gefassten Bezeichnung, die mehrere regionale türkische Hirtenhundtypen unter einem Dach zusammenfasste. Auf Antrag des türkischen Dachverbands Köpek Irkları ve Kinoloji Federasyonu (KIF) genehmigte das FCI-Generalkomitee am 15.06.2018 eine Umbenennung zu „Kangal Çoban Köpeği“/„Kangal Shepherd Dog“ samt einem inhaltlich neu gefassten, engeren Standard (veröffentlicht 25.06.2018). Der KIF-Präsident begründete den Schritt laut einer englischsprachigen Sekundärquelle sinngemäß damit, dass es in der Türkei keine Rasse namens „Anatolian“ gebe, sondern mindestens fünf verschiedene regionale Hirtenhundtypen – der Kangal aus der Region um Sivas sei nur einer davon. Der US-amerikanische AKC sowie einige weitere nationale Verbände führen ihre eigene, historisch ältere „Anatolian Shepherd Dog“-Rasse mit einem breiter gefassten, nicht FCI-anerkannten Standard bis heute eigenständig fort – seither existieren zwei unterschiedlich abgegrenzte Rassen unter zwei Namen, aber nur eine gemeinsame FCI-Nummer (331), die inzwischen ausschließlich für den enger gefassten Kangal steht.

Nach der weitgehenden Ausrottung großer Beutegreifer wie Wolf und Bär in weiten Teilen Europas hatten viele historische Herdenschutzhundrassen zeitweise ihre ursprüngliche Arbeitsgrundlage verloren; in der Türkei blieb der Kangal dagegen bis heute in aktivem Arbeitseinsatz zum Schutz von Schaf- und Ziegenherden gegen Wolf, Bär und Streunerhunde. In Deutschland und anderen westeuropäischen Ländern wird die Rasse dagegen überwiegend als Familien- oder Wachhund gehalten – eine Nutzung, für die sie ursprünglich nicht selektiert wurde (siehe Abschnitt „Für wen geeignet?“).

Wesen & Charakter

Der FCI-Standard beschreibt das Wesen des Kangal unmittelbar aus seinem historischen Arbeitsauftrag: „Standhaft und mutig, nicht aggressiv, von Natur aus selbständig, sehr intelligent und folgsam. Stolz und selbstsicher. Dem Halter gegenüber loyal und zugetan, während der Arbeit Fremden gegenüber jedoch misstrauisch.“ Diese Beschreibung ist kein zufällig entstandener „Charakter“, sondern das Ergebnis jahrhundertelanger Selektion auf einen sehr spezifischen Arbeitsauftrag: das eigenständige Bewachen weiträumiger Schafherden, oft über Stunden oder Tage ohne direkte Anweisung durch den Hirten.

Ethologisch lässt sich dieses Wach- und Schutzverhalten nach der Feldforschung von Raymond Coppinger und Kolleginnen/Kollegen erklären: Herdenschutzhunde gelten als „neotenische Polymorphe“, die gezielt auf eine Arretierung in einem juvenilen Entwicklungsstadium VOR den adulten Beutefang-Bewegungsmustern selektiert wurden (Coppinger et al. 1987). Orientieren und Fixieren – also das aufmerksame Wahrnehmen von Reizen an der Territoriumsgrenze – bleiben dabei erhalten, während Anschleichen, Hetzen und Beißen durch Selektion UND durch eine sehr frühe, intensive Sozialisation mit der zu schützenden Herde beziehungsweise Familie in der sensiblen Phase weitgehend unterdrückt werden. Das unterscheidet Herdenschutzhunde grundlegend von Hüte- oder Jagdhunden, bei denen einzelne Teile der Beutefangsequenz gerade aktiv für die Arbeit genutzt werden. Eine GPS-Tracking-Studie an zehn von Kangal-Hunden bewachten Schafherden in ihrem natürlichen Arbeitsumfeld in Sivas (Akyazı et al. 2018) bestätigt dieses Bild empirisch: Die Hunde hielten nachts einen geringeren Abstand zur Herde als tagsüber, bewegten sich nachts langsamer, und sie bauten insgesamt eine engere Beziehung zum Schäfer auf als zu den Schafen selbst – ein Hinweis darauf, dass Bindung an Menschen und Wachfunktion gegenüber der Herde zwei getrennte, aber zusammenwirkende Verhaltensebenen sind.

Wichtig für die Einordnung von Alltagsverhalten: Anhaltendes Wachen und Anschlagen an der Grundstücksgrenze ist kein direkter „Rest“ der historischen Beutefangsequenz, sondern das Ergebnis einer eigenständig selektierten Alarm- und Wächterfunktion, die der FCI-Standard selbst als Zuchtziel benennt („Bewachen von Schafen“). Wie oft ein einzelner Hund tatsächlich anschlägt, ist zusätzlich Lernverhalten: Jedes Anschlagen, auf das der auslösende Reiz (z. B. ein vorbeigehender Passant) verschwindet, wird negativ verstärkt – eine „Dauerbell-Garantie“ gibt es dafür nicht, Management wirkt in der Praxis zuverlässiger als Strafe.

Die im Standard erwähnte Eigenständigkeit sollte nicht als bewusstes Abwägen des Hundes verstanden werden, ob ein Kommando gerade sinnvoll ist. Lerntheoretisch plausibler ist eine Kombination aus hoher Reizkonkurrenz (weiträumige Territorien, viele Umweltreize) und einer historisch auf selbstständiges Handeln in großer Entfernung vom Menschen ausgelegten Selektion – das erfordert in der Erziehung mehr gezielte Generalisierungsarbeit und einen hohen Verstärkerwert, nicht mehr Strenge. Die laut Standard hängenden, bei Aufmerksamkeit aber höher gestellten Ohren sowie die klar beschriebene Rutenhaltung (in Ruhe tief mit eng eingerollter Spitze, bei Erregung – insbesondere bei Rüden – hoch und über den Rücken gerollt) sind dabei tatsächlich gut lesbare, im Standard selbst dokumentierte Erregungssignale.

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Erziehung & Beschäftigung

Die Grunderziehung des Kangal funktioniert wie bei jeder Rasse am zuverlässigsten über konsequente positive Verstärkung, klare Regeln und Vertrauensaufbau – von Dominanzansätzen ist ausdrücklich abzuraten. Sie widersprechen nicht nur der modernen Lerntheorie, sondern sind bei einer Rasse mit ausgeprägter eigener Schutz-/Territorialmotivation zusätzlich riskant: Druck verstärkt eher Unsicherheit und in der Folge Abwehrverhalten, statt Vertrauen aufzubauen.

Besonders wichtig ist eine sehr breite und frühe Sozialisation in der sensiblen Phase (ca. 3. bis 12., je nach Quelle bis 16. Lebenswoche auslaufend; Scott & Fuller 1965): viele unterschiedliche, positiv erlebte Kontakte zu Menschen, Umweltreizen und – sofern relevant – anderen Tieren, um übermäßige Territorial-Skepsis oder Ängstlichkeit gegenüber Fremden gar nicht erst entstehen zu lassen. Der FCI-Standard selbst nennt „aggressiv oder ängstlich“ ausdrücklich als disqualifizierenden Fehler – das ist zugleich ein Zucht- UND ein Erziehungsziel, das ohne konsequente Sozialisationsarbeit beim Einzelhund nicht erreichbar ist.

Beim Umgang mit dem häufig als anstrengend empfundenen Wach- und Alarmverhalten an der Grundstücksgrenze gilt: vollständiges Unterbinden über Strafe ist wegen der zugrunde liegenden selektierten Wächterfunktion selten erfolgreich und riskiert zusätzlich Vertrauensverlust. Wirksamer sind gezielte Habituation an wiederkehrende, ungefährliche Reize (systematische Desensibilisierung), Sichtschutz an neuralgischen Grundstücksgrenzen sowie ein aufgebautes und belohntes Ruhesignal – dabei sollte einkalkuliert werden, dass beim Löschen eines zuvor erfolgreichen Verhaltens zunächst ein kurzzeitiger Intensitätsanstieg (Extinktionsburst) auftreten kann, bevor sich das Verhalten reduziert.

Auch das von mehreren Rasseportalen beschriebene geringe „Will-to-please“ des Kangal – also eine im Vergleich zu klassischen Gebrauchs- oder Sporthunderassen geringere Motivation, sich primär an Anweisungen des Halters zu orientieren – lässt sich lerntheoretisch besser erklären als über einen vermenschlichten „eigenen Willen“: Für einen Hund, der historisch selbständig und oft ohne direkten Sichtkontakt zum Hirten arbeitete, haben Umweltreize (ein Geräusch an der Grenze, ein fremdes Tier) häufig einen sehr hohen Verstärkerwert – höher als das Rückrufsignal des Halters, wenn es nicht systematisch mit ebenso hochwertigen Konsequenzen aufgebaut wurde.

Beschäftigung sollte den hohen Bewegungs- und Flächenbedarf mit sinnvoller, dem Zuchtzweck entsprechender Auslastung verbinden: großzügige, sicher eingezäunte Auslaufflächen mit Gelegenheit zur eigenständigen Reviersicherung entsprechen der Rasse deutlich besser als enger Grundgehorsams-Drill oder klassischer Schutzhundesport, für den die Rasse nicht gezüchtet wurde. Wegen der vergleichsweise geringen Verbreitung der Rasse in Deutschland haben viele reguläre Hundeschulen wenig praktische Erfahrung mit Herdenschutzhundrassen; Einzeltraining oder eine spezialisierte Verhaltensberatung mit Erfahrung im Umgang mit Herdenschutzhundtypen ist deshalb häufig sinnvoller als eine reguläre Welpengruppe.

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Pflege & Gesundheit

Das dichte, raue, 3 bis 7 cm lange Deckhaar mit dichter Unterwolle (FCI-Standard Nr. 331) gilt in mehreren Rasseportalen (edogs.de, zooroyal.de) übereinstimmend als vergleichsweise pflegeleicht: Regelmäßiges Bürsten genügt im Regelfall, während des Fellwechsels ist häufigeres Bürsten sinnvoll, um lose Unterwolle zu entfernen.

Als sehr große bis Riesenrasse (Rüden laut FCI-Standard 48–60 kg, Sekundärquellen nennen bis 65 kg) ist der Kangal von mehreren dokumentierten, größenassoziierten Gesundheitsrisiken betroffen. Zur Hüftgelenksdysplasie (HD) liegt mit Sarierler et al. (2017, Turkish Journal of Veterinary & Animal Sciences) eine eigene radiologische Studie an 26 gesunden Sivas-Kangal-Hunden vor, die Referenzwerte für proximale Femur- und Acetabulum-Parameter etabliert, die mit bestimmten Hüftgelenkspathologien in Zusammenhang stehen – eine Grundlage für die Bewertung individueller Röntgenaufnahmen, keine Prävalenzzahl für die Gesamtpopulation. Tepeli (2004, Indian Veterinary Journal) dokumentiert an Kangal-Hunden zusätzlich mehrere genetisch bedingte Auffälligkeiten, u. a. Kryptorchismus (Hodenhochstand), Winkelungsfehler der Gliedmaßen, Kiefer-/Gebissfehlstellungen sowie Ankyloglossie (Zungenbandverkürzung).

Aufgrund des laut FCI-Standard sehr tiefen, bis zu den Ellenbogen reichenden Brustkorbs (Brusttiefe ca. 50 % der Widerristhöhe) zählt die Rasse zu den strukturell für Magendrehung (Gastric Dilatation-Volvulus, GDV) gefährdeten großen, tiefbrüstigen Hunden – eine akut lebensbedrohliche Notfallerkrankung des Magens. Die zugrunde liegenden Risikofaktoren (große, tiefbrüstige Rasse) sind in der veterinärmedizinischen Fachliteratur zu GDV bei großen und Riesenrassen gut dokumentiert (u. a. VCA Animal Hospitals/PetMD; Oberbauer et al. 2015, Canine Genetics and Epidemiology), ohne dass der Kangal darin namentlich mit einer eigenen Odds Ratio geführt wird.

Entropium (ein nach innen gerolltes Augenlid, das zu schmerzhaftem Reiben der Wimpern auf der Hornhaut führt) wird in mehreren tierärztlichen Rasseinformationsportalen als bei der Rasse beschriebenes, meist kongenitales Risiko genannt und ist operativ korrigierbar.

unsicher, weitere Prüfung empfohlen: Zur Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) beim Kangal wurde keine rassenspezifische, peer-reviewte Prävalenzstudie gefunden; ein kommerzielles Genetiktest-Ranking nennt die Rasse in einer mittleren Positionsgruppe für Autoimmunthyreoiditis – diese Angabe wird hier bewusst nicht als belegte Zahl übernommen, da sie keiner nachvollziehbaren, unabhängig geprüften Primärquelle entstammt.

Für wen geeignet?

  • Familien: Bedingt geeignet: Innerhalb der Familie gilt der Kangal laut FCI-Standard als loyal und zugetan, sein ausgeprägtes Wach- und Territorialverhalten gegenüber Fremden erfordert aber sehr sorgfältige, frühe Sozialisation – besonders wenn regelmäßig Besuch, Kinderfreunde oder Lieferdienste im Haus ein- und ausgehen. Für Familien mit sehr kleinen Kindern ist das erhebliche Körpergewicht der Rasse zusätzlich zu bedenken (unbeabsichtigtes Umstoßen beim Spiel).
  • Einsteiger: Nicht empfohlen: Mehrere unabhängige Rasseportale (edogs.de, zooroyal.de) raten Einsteiger:innen von der Rasse ausdrücklich ab, da sie als Herdenschutzhund ausgeprägte Wach- und Schutzmotivation, sehr hohes Körpergewicht, ein vergleichsweise geringes „Will-to-please“ und einen hohen Flächenbedarf mitbringt, der erfahrene, ruhige Führung und sehr gute Sozialisationsarbeit verlangt.
  • Sportlich Aktive: Bedingt geeignet: Der hohe Bewegungsdrang passt zu aktiven Halter:innen mit viel Auslauf und Gelände, klassische Hundesport-Disziplinen mit engem Grundgehorsam oder Schutzhundesport entsprechen aber nicht dem ursprünglichen Zuchtzweck der eigenständigen Wächterfunktion.
  • Senioren/wenig Aktive: Nicht geeignet: Der hohe Flächen- und Bewegungsbedarf, das sehr hohe Körpergewicht sowie die notwendige konsequente, erfahrene Führung passen nicht zu einem geringen Aktivitätslevel.

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Das dichte, raue, 3 bis 7 cm lange Deckhaar mit dichter Unterwolle (FCI-Standard Nr. 331) gilt in mehreren Rasseportalen (edogs.de, zooroyal.de) übereinstimmend als vergleichsweise pflegeleicht: Regelmäßiges Bürsten …
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Der Kangal gehört zu einer besonderen Gruppe von Gebrauchshunden: Herdenschutzhunde wurden nicht darauf selektiert, Beute zu machen, sondern darauf, sie zu verhindern. Raymond Coppinger und Kolleg:innen beschreiben diese Hunde als „neotenic polymorphs“ – gezielt auf eine Arretierung in einem juvenilen Entwicklungsstadium VOR den adulten …

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Häufige Fragen zum Kangal-Hirtenhund

Ist der Kangal-Hirtenhund ein Listenhund?

Ja, aber nur in 2 der 16 Bundesländer: Hamburg führt den Kangal namentlich in Kategorie 2 (Hamburgisches Hundegesetz vom 26.01.2006), Hessen listet „Kangal (Karabash)“ ebenfalls namentlich (HundeVO vom 22.01.2003). In den übrigen 14 Bundesländern – u. a. Bayern, Baden-Württemberg, Berlin, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz – wird die Rasse nicht gelistet; das bundesweite Einfuhrverbot nach HundVerbrEinfG betrifft ausschließlich American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier, Bullterrier und Pitbull-Terrier, nicht den Kangal.

Ist der Kangal dasselbe wie der Anatolian Shepherd Dog?

Nicht mehr ganz: Bis 2018 führte die FCI beide unter derselben Standardnummer 331 als „Anatolian Shepherd Dog“. Seit der Umbenennung durch das FCI-Generalkomitee am 15.06.2018 steht Standard Nr. 331 ausschließlich für den enger gefassten, türkischen Kangal. Der AKC sowie einige weitere Verbände führen „Anatolian Shepherd Dog“ bis heute als eigenständige, NICHT FCI-anerkannte Rasse mit einem älteren, breiter gefassten Standard fort – wer online nach „Anatolian Shepherd“ sucht, landet je nach Verband auf einer nicht ganz identischen Rasse.

Ist der Kangal anfängergeeignet?

Kein pauschales Ja oder Nein: Mehrere unabhängige Rasseportale raten Einsteiger:innen von der Rasse ab, da sie als Herdenschutzhund ausgeprägte Wach-/Schutzmotivation, sehr hohes Gewicht und hohen Flächenbedarf mitbringt. Mit sehr viel Erfahrung, Grundwissen zu Lerntheorie/Sozialisation sowie einem großen, sicher eingezäunten Grundstück ist die Rasse im Einzelfall diskutierbar, ganz ohne Vorerfahrung aber nicht empfehlenswert.

Warum wacht und bellt mein Kangal nachts so viel?

Weil Herdenschutzhunde gezielt darauf selektiert wurden, Reize an der Reviergrenze früh zu erkennen und anzuzeigen – der FCI-Standard nennt „Bewachen von Schafen“ ausdrücklich als Zuchtzweck. Das lässt sich nicht vollständig wegtrainieren, aber durch gezielte Habituation an wiederkehrende, ungefährliche Reize, Sichtschutz an neuralgischen Stellen sowie ein belohntes Ruhesignal deutlich reduzieren.

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