Poitevin
FCI-Gruppe 6 · Sektion 1.1 · Große Laufhunde, mit Arbeitsprüfung
Poitevin
Der Poitevin ist ein französischer Laufhund aus der Provinz Poitou im Westen Frankreichs und wurde, wie der FCI-Standard festhält, als Meutehund für die Jagd auf Großwild gezüchtet — ursprünglich vor allem auf den Wolf. Wichtig zu wissen: Keine rassespezifischen peer-reviewten Studien verfügbar (außerhalb Frankreichs extrem seltene Rasse).
Größe
♂ 62–72 cm · ♀ 60–70 cm
Gewicht
♂ 20,5 · ♀ 20–28 kg
Lebenserwartung
10–12 Jahre
Aktivität
Sehr hoch
Kosten / Monat
ca. 90–180 €
Rasseportrait
kostenrechner
Rassen-Check
🔒 Verhaltenswissenschaft
🔒 Lernportal
Faq
Steckbrief
FCI-Gruppe
Gruppe 6 (Laufhunde, Schweißhunde und verwandte Rassen), Sektion 1.1 (Große Laufhunde, mit Arbeitsprüfung), FCI-Standard Nr. 24 — 17.11.1978 (Datum der Publikation des gültigen offiziellen Standards; deutsche Übersetzung vom 03.03.1997, überarbeitet von Dr.
Herkunft
Frankreich (Provinz Poitou)
Größe
Rüde: 62–72 cm Widerristhöhe (FCI-Standard Nr. 24, Rüden) · Hündin: 60–70 cm Widerristhöhe (FCI-Standard Nr. 24, Hündinnen)
Gewicht
Rüde: ca. 20,5–30,5 kg (der FCI-Standard macht keine Gewichtsvorgabe; Praxis-Richtwerte aus Sekundärquellen: Wikipedia 20,5–30,5 kg, Dogster 45–67 lb ≈ 20,4–30,4 kg) · Hündin: ca. 20–28 kg (Praxis-Richtwert aus Sekundärquellen; der FCI-Standard macht keine geschlechtsspezifische Gewichtsvorgabe, Hündinnen liegen tendenziell im unteren Bereich der Gesamtspanne)
Lebenserwartung
10–12 Jahre (Quellen variieren: Wikipedia ≈ 12 Jahre; Dogster 10–12 Jahre; worldlifeexpectancy.com 11–12 Jahre — rassespezifische peer-reviewte Studien zur Lebenserwartung liegen nicht vor)
Fellfarben
Laut FCI-Standard: dreifarbig mit schwarzem Mantel oder großen schwarzen Flecken; manchmal weiß und orange (zweifarbig); wolfsfarbene Hunde sind nicht selten. Weiß-schwarze Hunde gelten laut Standard als disqualifizierender Fehler.
Aktivitätslevel
Sehr hoch — Der FCI-Standard beschreibt den Poitevin als einen außerordentlich edlen Hund, der in hohem Maße eine perfekte Kombination aus Kraft, Eleganz, Leichtfüßigkeit …
Pflegeaufwand
Gering — Das kurze, dichte, glänzende Fell des Poitevin ist pflegeleicht: gelegentliches Bürsten genügt, eine Schur ist nicht nötig.
Anfängergeeignet
Kein pauschales Ja oder Nein: Der Poitevin ist ein selektiver Meutehund für die Großwildjagd, kein klassischer Begleithund — seine starke Fährtenorientierung, die ausgeprägte Lautfreude, die Zurückhaltung gegenüber Fremden und der enorme Bewegungsbedarf stellen hohe Anforderungen an Haltung und Training. Wer Erfahrung mit Laufhunden, ein sicheres Gelände ohne Freilaufrisiko und realistische Erwartungen an den Rückruf mitbringt, kann mit der Rasse arbeiten; ohne diese Voraussetzungen wird sie in Einzel- oder Stadthaltung schnell unterfordert und problematisch.
Listenhund-Status
Kein Listenhund — in keinem der 16 Bundesländer gelistet (Stand: 21.08.2026)
Geschätzte Kosten
Anschaffung 600–2.500 € · laufend ca. 90–180 €/Monat — Details im Kostenrechner unten
Herkunft & Geschichte
Der Poitevin ist ein französischer Laufhund aus der Provinz Poitou im Westen Frankreichs und wurde, wie der FCI-Standard festhält, als Meutehund für die Jagd auf Großwild gezüchtet — ursprünglich vor allem auf den Wolf. Die Rasse entstand im 17. Jahrhundert: 1692 wurden zwölf englische Staghounds dem Dauphin von Frankreich geschenkt; Nachkommen dieser Hunde kreuzte François de Larrye, Marquis von Haut-Poitou, mit einheimischen Laufhunden. Aus dieser Kreuzung gingen kräftige, athletische, dreifarbige Hunde hervor, die der Marquis zur Wolfsjagd einsetzte — die ersten Poitevins.
Neben der Larrye-Meute entstanden zwei weitere Meuten, benannt nach ihren Besitzern (Montemboeuf und Céris); diese waren weiß-orange zweifarbig und galten als den Larrye-Hunden unterlegen. Die Französische Revolution traf die Rasse hart: Der Marquis de Larrye wurde 1793 hingerichtet, seine Meute zerstreut, die Rasse stand kurz vor dem Aussterben. Die Brüder Emile und Arthur de la Besage aus Montmorillon sammelten die verbliebenen Tiere (darunter zwei aus der Larrye-Meute) und gründeten eine neue Meute.
1842 dezimierte ein Tollwutausbruch in den Zwingern den Bestand erneut fast vollständig; die Rasse wurde durch gezielte Einkreuzungen englischer Foxhounds wiederaufgebaut, wobei der Foxhound-Einfluss nach drei Generationen kaum noch erkennbar war. Auch die beiden Weltkriege setzten dem Bestand schwer zu, nach dem Zweiten Weltkrieg waren erneut English-Foxhound-Einkreuzungen nötig. Heute werden in Frankreich weiterhin mehrere Poitevin-Meuten geführt, die in der Tradition der französischen Hetzjagd (Grande Vénerie) vor allem Wildschwein und Reh-/Rotwild jagen. Der Poitevin war zudem zentral an der Entwicklung des Grand Anglo-Français Tricolore, des Chien Français Tricolore und des Anglo-Français de Petite Vénerie beteiligt.
Wesen & Charakter
Der FCI-Standard beschreibt den Poitevin als einen außerordentlich edlen Hund, der in hohem Maße eine perfekte Kombination aus Kraft, Eleganz, Leichtfüßigkeit und bestechender Färbung darstellt. Diese Beschreibung ist das Ergebnis einer über Jahrhunderte gezielt geförderten Funktion: Als Meutehund wurde der Poitevin nicht auf engen Blickkontakt und sofortige Kommandofolge selektiert, sondern auf eigenständiges, ausdauerndes Verfolgen einer Fährte in einiger Entfernung vom Jäger — idealerweise in der Meute.
In der ursprünglichen Beutefangsequenz nach Coppinger (Orientieren – Fixieren – Anschleichen – Hinterherjagen – Fangbiss – Tötungsbiss – Aufreißen – Fressen) bleiben beim Meutehund die vorderen Glieder — Orientieren, Fixieren, Hinterherjagen — besonders stark ausgeprägt und werden zum eigenständigen, dominanten Verhaltensmuster, während Fangbiss und Tötungsbiss der Meute bzw. dem Jäger überlassen bleiben. Diese Zuordnung ist eine Erweiterung auf Basis der breiteren Coppinger-Literatur zu Laufhunden/Meutehunden und mit der im FCI-Standard beschriebenen Funktion konsistent.
Rassetypisch ist außerdem das ausgeprägte Lautgeben (Baying) auf der Fährte, das historisch der akustischen Ortung des Hundes durch Jäger und Meute diente. Meuten des Poitevin erreichen laut kynologischer Literatur Geschwindigkeiten bis etwa 56 km/h und können über mehrere Stunden (überliefert sind Jagden von bis zu sieben Stunden) auf der Fährte bleiben — Grundlage für den Spitznamen des Poitevin als Windhund unter den französischen Laufhunden.
Im Alltag gilt der Poitevin als loyal gegenüber seiner engen Bezugsperson, gegenüber Fremden jedoch als auffällig zurückhaltend (mehr als viele andere Laufhunde); er ist keine anhängliche Couch-Rasse, sondern ein arbeitsorientierter Hund, der in Einzelhaltung ohne adäquate Aufgabe häufig unterfordert ist.
Rasseberatung & Rassen-Check
Passt Poitevin zu dir?
Finde es heraus: kostenloser Rassen-Check in 3 Minuten — oder persönliche Rasseberatung (45 Min., 80 €).
Erziehung & Beschäftigung
Die Erziehung des Poitevin folgt den Prinzipien der Lerntheorie: positive Verstärkung, klare Kriterien und ein systematischer Aufbau von Reizen und Distanzen sind wirksamer als jede Form von Dominanz- oder Bestrafungsansatz, die wissenschaftlich als überholt gelten. Wie bei anderen Laufhunden gilt: Ein hundertprozentig zuverlässiger Freilauf-Rückruf in der Nähe einer frischen Fährte ist kaum realistisch zu erreichen — das ist keine Sturheit, sondern eine strukturelle Eigenschaft der Rasse, die selektiv auf eigenständiges, vom Hundeführer entferntes Arbeiten gezüchtet wurde.
Am besten entspricht der ursprünglichen Zuchtbestimmung eine Kanalisierung des Fährteninstinkts: strukturierte Nasenarbeit, Fährten- bzw. Mantrailing-Übungen und kontrollierte Suchspiele bieten artgerechte geistige Auslastung und reduzieren gleichzeitig unerwünschtes eigenmächtiges Auf-Fährte-Gehen. Hundeschulen mit Angeboten zu Rückruftraining unter Ablenkung sowie Nasenarbeit sind für diese Rasse besonders empfehlenswert.
Die ausgeprägte Lautfreude lässt sich gezielt managen: Bellen auf der Fährte ist funktionaler Ausdruck hoher Erregung, kein Fehlverhalten — wer das Verhalten reduzieren möchte, arbeitet am Erregungsniveau (Pausen, kontrollierte Sucheinheiten) statt am Bellen selbst. In der Meutehaltung übernehmen Artgenossen einen Teil der sozialen Regulation; in Einzelhaltung müssen diese Funktionen über konsequentes, vorhersehbares Training kompensiert werden. Von Bestrafung ist grundsätzlich abzuraten — die Studienlage zeigt, dass aversive Methoden mit erhöhten Stress- und Angstmarkern einhergehen (Vieira de Castro et al. 2020; Ziv 2017), während belohnungsbasiertes Training nachhaltiger wirkt.
Das Rassen-Quiz
Teste dein Poitevin-Wissen
Das Rassen-Quiz mit Fragen zu Wesen, Haltung und Erziehung — für 1,99 €.
Pflege & Gesundheit
Das kurze, dichte, glänzende Fell des Poitevin ist pflegeleicht: gelegentliches Bürsten genügt, eine Schur ist nicht nötig. Wichtig ist die regelmäßige Kontrolle und Reinigung der langen Hängeohren — sie schränken die Belüftung des Gehörgangs ein, wodurch Feuchtigkeit und Schmutz eingeschlossen werden können und Otitis externa (Ohrenentzündung) begünstigt wird; dies ist eine allgemein bekannte Problematik bei Hunden mit langen Hängeohren, die für den Poitevin in Sekundärquellen (Dogster 2025) ebenfalls genannt wird.
Als großer, tiefbrüstiger Hund hat der Poitevin ein erhöhtes Risiko für eine Magendrehung (Gastric Dilatation Volvulus) — ein akut lebensbedrohlicher Notfall, der sofortiger tierärztlicher Behandlung bedarf. Bewährtes Management bei tiefbrüstigen Rassen: mehrere kleinere Mahlzeiten statt einer großen, keine intensive Bewegung direkt nach dem Fressen. Zudem wird in Sekundärquellen (abgeleitet aus der English-Foxhound-Genetik und dem Körperbau) auf ein Risiko für Hüftgelenksdysplasie sowie seltener für Nierenamyloidose und Hypothyreose hingewiesen.
Wichtig für die Einordnung: Für den Poitevin liegen keine rassespezifischen, peer-reviewten Gesundheitsstudien vor — die Rasse ist außerhalb Frankreichs extrem selten und gesundheitlich kaum erforscht. Alle genannten Risiken sind Analogien aus Körperbau und verwandten Rassen, keine rassespezifischen Belege. Redaktionelle Einordnung des Lexikons: Der Poitevin ist keine Qualzucht-Rasse im Sinne von § 11b TierSchG — der FCI-Standard beschreibt einen funktionalen, proportionierten Laufhund ohne extreme Übertreibungen; die endgültige Bewertung obliegt den Behörden. Bei der Züchterwahl sollte auf funktionale, jagdlich geführte Linien geachtet werden, da die kleine Population außerhalb Frankreichs ein erhöhtes Inzuchtrisiko mit sich bringen kann.
Für wen geeignet?
Verhaltenswissenschaft
Die verhaltensbiologischen Hintergründe zu diesem Thema — exklusiv freischaltbar mit kostenlosem Konto.
Was kostet ein Poitevin wirklich?
Größe, Pflegeaufwand und Gesundheitsrisiko fließen direkt aus dem Steckbrief ein — keine erfundenen Zahlen, nur nachvollziehbare Spannen.
BERECHNET
Alle Werte sind Bandbreiten (keine Einzelpreise), basierend auf Referenzwerten (Fressnapf, zooplus, VDH, GOT). Gesundheits-Aufschlag = transparenter Prozentsatz.
Warum verhält sich ein Poitevin wirklich so?
Hintergründe aus der Verhaltensbiologie zu Instinkt, Domestikation und Körpersprache — exklusiv für Newsletter-Abonnent:innen mit Hunderassenlexikon-Konto.
SCHALTUNG
NÖTIG
Lernportal Rassenkunde
Lerne alles über den Poitevin. Mit echtem Quiz.
Das Quiz zu diesem Portrait: 28 geprüfte Fragen — für Hundehalter, die es genau wissen wollen, und für angehende Trainer auf dem Weg zum Hundeführerschein.
Einzelkurs
Rassenkunde: Poitevin
28 Fragen · FCI-Gruppe 6 · Halter-Basis & Trainer-Vertiefung · Ethologie-Modul · unlimitierter Zugriff nach Kauf
1,99 € einmalig
Gesamtzugang
Alle Rassen — unbegrenzt
Zugang zu allen verfügbaren Rassenkunde-Kursen (360+ Rassen wachsend) · alle Schwierigkeitsebenen · alle Ethologie-Module · ideal für Trainer-Ausbildung
59,99 € einmalig · alle Rassen
Inklusive im Konto
Verhaltenswissenschaft 🔒
Instinkt, Domestikation, Körpersprache — exklusiv für Newsletter-Abonnent:innen mit Hunderassenlexikon-Konto. Kostenlos freischaltbar.
0 € mit Konto + Newsletter
Häufige Fragen zum Poitevin
Kein pauschales Ja oder Nein: Als selektiver Meutehund für die Großwildjagd stellt der Poitevin hohe Anforderungen an Haltung, Training und Umfeld — wer Erfahrung mit Laufhunden, ein sicheres Gelände und realistische Erwartungen an den Rückruf mitbringt, kann mit der Rasse arbeiten; für Einsteiger ohne diese Voraussetzungen ist sie nicht empfehlenswert.
Sein ausgeprägter Geruchssinn und die selektive Zucht auf eigenständiges, vom Jäger entferntes Fährtenarbeiten lassen auf einer heißen Fährte andere Reize, einschließlich Rückrufkommandos, stark in den Hintergrund treten — kein Ungehorsam, sondern ein sensorischer Fokuszustand, der bei Meutehunden besonders stark ausgeprägt ist.
Sehr viel: Sekundärquellen nennen mindestens eine Stunde täglich, wobei ein normaler Spaziergang nicht reicht — zusätzlich braucht die Rasse geistige Auslastung über Nasenarbeit bzw. Fährtenarbeit, sonst drohen Unterforderung und Frustverhalten. In der Jagd können Meuten mehrere Stunden und bis zu 56 km/h schnell unterwegs sein.
Nein. Der Poitevin steht in keinem der 16 Bundesländer auf einer Rasseliste für gefährliche Hunde — weder bundesweit noch landesrechtlich.
Nein — die Rasse ist außerhalb Frankreichs extrem selten, rassespezifische peer-reviewte Studien fehlen weitgehend. Genannte Risiken (Magendrehung, Ohrenentzündungen, Hüftgelenksdysplasie) stammen aus Körperbau-Analogien und der English-Foxhound-Genetik und sind entsprechend als Hinweise, nicht als gesicherte Rassebefunde zu verstehen.
Passt Poitevin wirklich zu dir?
Zwei Wege zur ehrlichen Antwort — kostenlos testen oder persönlich beraten lassen.
Der Rassen-Check
10 Fragen zu deinem Alltag, ehrliche Passungs-Prozente aus 362 FCI-Rassen — inklusive Gesundheits- und Tierschutz-Hinweisen.
Kostenlos · ohne Anmeldung Zum Rassen-Check →Die Rasseberatung
In 45 Minuten klären wir gemeinsam, ob diese Rasse zu deinem Leben passt — mit Blick auf Erfahrung, Zeit, Wohnsituation und Familie.
45 Minuten · 80 € inkl. MwSt. Rasseberatung anfragen →Mehr Rassen, mehr Kostenklarheit.
Das Hunderassenlexikon wächst mit jeder Rasse — redaktionell geprüft, mit eigenem Kostenrechner und Lernquiz.