Schapendoes

FCI-Gruppe 1 · Sektion 1 · Schäferhunde, ohne Arbeitsprüfung
Schapendoes
Der Schapendoes stammt aus den Niederlanden, wo er über viele Generationen hinweg der unermüdliche Helfer der Schäfer auf den ausgedehnten Heideflächen und Moorgebieten war — vor allem in den Provinzen Drenthe und auf der Veluwe. Wichtig zu wissen: Progressive Retinaatrophie (gPRA) beim Schapendoes dokumentiert: Mutation im CCDC66-Gen, indirekter DNA-Test etabliert (Dekomien et al. 2010, Neurogenetics; Haplotype-Definition PMC2533032).
Größe
♂ 43–50 cm · ♀ 40–47 cm
Gewicht
♂ 12–20 kg · ♀ 12–20 kg
Lebenserwartung
12–15 Jahre
Aktivität
Hoch
Kosten / Monat
ca. 60–150 €
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Steckbrief
FCI-Gruppe
Gruppe 1 (Hütehunde und Treibhunde (ausgenommen Schweizer Sennenhunde)), Sektion 1 (Schäferhunde, ohne Arbeitsprüfung), FCI-Standard Nr. 313 — 26.03.1992 (Publikationsdatum des gültigen offiziellen Standards); deutsche FCI-Übersetzung vom 14.04.1999
Herkunft
Niederlande
Größe
Rüde: 43–50 cm (FCI-Standard Nr. 313) · Hündin: 40–47 cm (FCI-Standard Nr. 313)
Gewicht
Rüde: ca. 12–20 kg, einzelne Rüden bis ca. 25 kg (FCI-Standard macht keine Gewichtsvorgabe; Praxis-/VDH-Richtwert 12–20 kg, AKC-Richtwert 26–55 lbs ≈ 11,8–25 kg) · Hündin: ca. 12–20 kg (Praxis-/VDH-Richtwert; FCI ohne eigene Gewichtsvorgabe)
Lebenserwartung
12–15 Jahre (AKC und Royal Canin geben übereinstimmend 12–15 Jahre an; einzelne Quellen variieren)
Fellfarben
Alle Farben zulässig laut FCI-Standard Nr. 313, bevorzugt Blaugrau bis Schwarz; in der Praxis überwiegen Schwarz sowie Grau- bis Weißtöne, Braun ist seltener (deutsche Wikipedia, IG Schapendoes e.V.).
Aktivitätslevel
Hoch — Der FCI-Standard beschreibt den Schapendoes als »normal und harmonisch gebauten Hirtenhund mit einem aufmerksamen und mutigen Charakter«, dazu »intelligent …
Pflegeaufwand
Mittel — Der Schapendoes trägt ein dichtes Haarkleid mit ausreichend Unterwolle; die Haare sind lang (gut 7 cm oder mehr im Bereich der Hinterhand), nicht glatt, sondern leicht gewellt …
Anfängergeeignet
Nicht pauschal zu beantworten: Der Schapendoes ist lernfreudig, freundlich und unkompliziert im Wesen, was die Grunderziehung erleichtert — doch sein hoher Bewegungs-, Beschäftigungs- und Ausdauerbedarf sowie seine selbständige Arbeitsweise sollten realistisch eingeplant werden. Mit Grundwissen über Lerntheorie und den individuellen Bedürfnissen von Hund und Halter ist die Rasse auch für Einsteiger gut machbar.
Listenhund-Status
Kein Listenhund — in keinem der 16 Bundesländer gelistet (Stand: 21.08.2026)
Geschätzte Kosten
Anschaffung 800–2.200 € · laufend ca. 60–150 €/Monat — Details im Kostenrechner unten
Herkunft & Geschichte
Der Schapendoes stammt aus den Niederlanden, wo er über viele Generationen hinweg der unermüdliche Helfer der Schäfer auf den ausgedehnten Heideflächen und Moorgebieten war — vor allem in den Provinzen Drenthe und auf der Veluwe. Der FCI-Standard beschreibt ihn als Herdenhund, der »zum Hüten von Schafherden gebraucht wurde und noch heute gebraucht wird«. Weil die Weiden in ruhigen, einsamen Gegenden lagen, musste er über große Ausdauer, Wendigkeit und Schnelligkeit verfügen, dazu über eine bemerkenswerte Sprungkraft und die Intelligenz, weitgehend selbständig zu handeln.
Der Schapendoes war lange Zeit der »Allerweltshund« der Schäfer — so alltäglich, dass er kaum Eingang in Literatur und Malerei fand und nie einen einheitlichen Namen trug: Bezeichnungen wie »Herderdoes«, »Siep« oder »Olde Grise« kursierten je nach Region. Auf Hundeausstellungen trat er bereits in den Jahren 1872 bis 1874 unter der Bezeichnung »Inländische Hütehunde« in Erscheinung. Der FCI-Standard ordnet ihn der »vielfältigen Gruppe der langhaarigen Hirtenhunde mit dicht behaartem Kopf« zu und nennt als Verwandte den Bearded Collie, den Puli, den Polski Owczarek Nizinny, den Bobtail, den Briard, den Bergamasker und den deutschen Schafspudel — allesamt eigenständige Rassen mit eigenen Standardnummern.
Der Kynologe P. M. C. Toepoel gilt als Begründer der gezielten Rassezucht: Im Zweiten Weltkrieg lenkte er die Aufmerksamkeit auf die damals beinahe verschwundene Rasse, und zwischen 1940 und 1945 wurde mit den letzten noch auffindbaren Exemplaren gezüchtet. Ab 1945 begann der ernsthafte Wiederaufbau, 1947 wurde der Rasseclub des Niederländischen Schapendoes gegründet. 1952 erfolgte die vorläufige Anerkennung durch den niederländischen Zuchtverband Raad van Beheer, 1954 wurden der Standard festgesetzt und ein Stammbuch begonnen. Die definitive Anerkennung folgte 1971; seither wird nur noch mit eingeschriebenen Hunden gezüchtet. Der aktuell gültige FCI-Standard Nr. 313 wurde am 26.03.1992 publiziert, die deutsche Fassung datiert vom 14.04.1999.
Wesen & Charakter
Der FCI-Standard beschreibt den Schapendoes als »normal und harmonisch gebauten Hirtenhund mit einem aufmerksamen und mutigen Charakter«, dazu »intelligent, wachsam, fröhlich, lebhaft, freundlich und temperamentvoll« — gegenüber vertrauten Menschen entwickelt er »große Zuneigung und Treue«. Diese Kombination aus Aufmerksamkeit, Fröhlichkeit und enger Bindung prägt ihn bis heute als Familienhund mit Arbeitshundherz.
Als Hüte- und Treibhund (FCI-Sektion 1) zeigt der Schapendoes einen deutlich erhaltenen Teil der modifizierten Beutefangsequenz nach Coppinger: Anschleichen und Hinterherjagen blieben züchterisch funktional erhalten, während Fangbiss und Tötungsbiss fast vollständig unterdrückt wurden — Treiben ohne Beißen. Seine charakteristische Arbeitsweise ist der Galopp mit federnden, leichtfüßigen Bewegungen und bemerkenswertem Sprungvermögen; die Rute dient ihm dabei laut Standard unverkennbar zum Steuern. Im Alltag ohne Schafherde sucht sich dieser Bewegungs- und Arbeitsdrang andere Auslöser: schnelle Bewegungsreize, Spiel und alles, was seine Beweglichkeit und Sprungkraft fordert.
Davon zu unterscheiden ist die im FCI-Verwendungstext ausdrücklich geforderte Fähigkeit, »selbständig handeln« zu können: Der Schapendoes war daran gewöhnt, Herden über weite Strecken ohne ständige Anweisungen zu lenken. Diese Selbständigkeit ist eine belegte Arbeitsanlage, keine Sturheit — im Alltag zeigt sie sich dort, wo ein Kommando für den Hund wenig Verstärkerwert hat oder schlecht generalisiert wurde, und ist durch Training und Management beeinflussbar, nicht durch Druck.
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Erziehung & Beschäftigung
Die hohe Intelligenz und Lernfreude des Schapendoes erleichtert die Grunderziehung erheblich, sofern konsequent über positive Verstärkung statt über Dominanz- oder Strafkonzepte gearbeitet wird — von »Rudelführer«-Ansätzen ist grundsätzlich abzuraten, da sie weder wissenschaftlich haltbar sind noch dem kooperativen, sensiblen Wesen der Rasse entsprechen. Der VDH empfiehlt eine »konsequente, einfallsreiche Erziehung« und weist darauf hin, dass der pfiffige Hütehund Inkonsequenz mit sofortiger Ausweitung eigener Rechte beantwortet; mit positiver Verstärkung lasse sich bei ihm viel erreichen. Eine begleitete Welpen- oder Junghundegruppe bei einer Hundeschule mit lerntheoretisch fundiertem Konzept unterstützt die frühe Sozialisation (primäre Phase ca. 3.–12./16. Lebenswoche) und den Umgang mit Reizen.
Beschäftigung sollte möglichst nah an der ursprünglichen Zuchtbestimmung ansetzen: Agility, Turnierhundsport, Obedience, Dogdance und Treibball kommen der Bewegungsfreude und Sprungkraft entgegen, ebenso Nasenarbeit; der VDH nennt zusätzlich die Rettungshundearbeit, in der Schapendoes überzeugen. Dank wenig ausgeprägter jagdlicher Motivation lässt sich laut VDH mit liebevoller, konsequenter Erziehung meistens auch Freilauf ermöglichen — vorausgesetzt, der Rückruf ist zuverlässig generalisiert. Rein körperliche Auslastung reicht nicht aus; ohne kognitive Herausforderung sucht sich die Rasse eigene Beschäftigung.
Gerade weil der Schapendoes schnell lernt, lernt er auch unerwünschtes Verhalten schnell — etwa forderndes Bellen oder das Einfordern von Aufmerksamkeit, wenn dies zuvor auch unabsichtlich belohnt wurde. Wird die Verstärkung konsequent entzogen, zeigt sich häufig ein klassischer Extinktionsburst: Das Verhalten wird zunächst kurzzeitig intensiver, bevor es abklingt — wer in diesem Moment nachgibt, verstärkt genau das intensivere Verhalten und sollte stattdessen konsequent bleiben und eine alternative, belohnbare Handlung anbieten.
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Pflege & Gesundheit
Der Schapendoes trägt ein dichtes Haarkleid mit ausreichend Unterwolle; die Haare sind lang (gut 7 cm oder mehr im Bereich der Hinterhand), nicht glatt, sondern leicht gewellt, und stehen in Büscheln ab — dazu kommen ein mächtiger Haarschopf, Schnauz und Bart. Ausgesprochenes Kraushaar ist laut FCI-Standard nicht zulässig. Die Fellpflege ist unkomplizierter, als das opulente Aussehen vermuten lässt: Der VDH empfiehlt, das Fell einmal pro Woche gründlich zu bürsten, um Verfilzungen vorzubeugen; während des zweimal jährlichen Fellwechsels ist häufigeres Bürsten sinnvoll. Besondere Aufmerksamkeit brauchen die verfilzungsanfälligen Bereiche hinter den Ohren, in den Achseln und an der Hinterhand. Ein aufwendiges Styling oder Scheren ist laut IG Schapendoes e.V. nicht nötig — der Schapendoes soll natürlich aussehen.
Rassetypisch dokumentiert ist die Progressive Retinaatrophie (gPRA): Eine 2010 in »Neurogenetics« publizierte Studie identifizierte die Mutation im neu entdeckten CCDC66-Gen als Ursache der gPRA beim Schapendoes; ein indirekter DNA-Test wurde auf Basis der Haplotyp-Definition etabliert. Seriöse Züchter testen ihre Zuchttiere vor der Zuchtzulassung entsprechend. Die idiopathische Epilepsie tritt beim Schapendoes auf, ist aber vergleichsweise selten: Eine 2026 in »Frontiers in Veterinary Science« veröffentlichte Prävalenzstudie der neun niederländischen Rassen ermittelte für den Schapendoes mit ca. 0,23 % die niedrigste Prävalenz. Redaktionell erwähnenswert ist die kleine Gründerpopulation: Nach dem fast vollständigen Verlust der Rasse um 1945 wurde sie aus wenigen Exemplaren wieder aufgebaut; die internationale Datenbank DoesData und die Genpool-Strategie der IG Schapendoes e.V. (2020) dokumentieren moderate bis hohe Inzuchtkoeffizienten und dienen der kontrollierten Zuchtplanung. Hüftgelenksdysplasie oder andere orthopädische Häufungen sind für den Schapendoes nicht rassespezifisch dokumentiert — hier liegt keine belastbare Fachquelle vor.
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Häufige Fragen zum Schapendoes
Nein. Der FCI-Standard Nr. 313 ordnet den Schapendoes zwar der Gruppe der langhaarigen Hirtenhunde mit dicht behaartem Kopf zu und nennt den Bearded Collie (FCI 271), den Polski Owczarek Nizinny (FCI 251), den Briard (FCI 113), den Puli (55), den Bobtail (16) und den Bergamasker (194) als Verwandte — alle diese Rassen haben aber eigene FCI-Standardnummern und sind vollständig eigenständige Rassen, keine Varietäten des Schapendoes.
Laufend sind je nach individuellem Bedarf etwa 60 bis 150 € im Monat realistisch (Futter, Grundvorsorge, optionale Versicherung, anteilige Fellpflege) — der Kostenrechner liefert eine an die Größenklasse und das dokumentierte Gesundheitsrisiko angepasste Spanne. Die einmalige Anschaffung bei einem Zuchtverein liegt üblicherweise zwischen 800 und 2.200 €.
Kein pauschales Ja oder Nein: Die hohe Lernfreudigkeit und das freundliche, unkomplizierte Wesen erleichtern die Grunderziehung erheblich, doch der überdurchschnittliche Bewegungs- und Beschäftigungsbedarf eines Arbeitshundes sollte vor der Anschaffung realistisch eingeplant werden — mit entsprechendem Grundwissen ist die Rasse auch für Einsteiger gut machbar.
Das dichte Doppelhaarkleid wird zweimal jährlich intensiv abgestoßen; der VDH empfiehlt einmal pro Woche gründliches Bürsten (im Fellwechsel häufiger), um Verfilzungen vorzubeugen. Besonders anfällig sind die Bereiche hinter den Ohren, in den Achseln und an der Hinterhand. Ein aufwendiges Styling oder Scheren ist nicht nötig — der Schapendoes soll laut IG Schapendoes e.V. natürlich aussehen.
Die Progressive Retinaatrophie (gPRA) ist rassespezifisch durch eine Mutation im CCDC66-Gen dokumentiert (Dekomien et al. 2010) und per DNA-Test in der Zucht kontrollierbar. Idiopathische Epilepsie kommt vor, ist aber mit ca. 0,23 % Prävalenz die seltenste unter den neun niederländischen Rassen (Rolink et al. 2026). Aufgrund der kleinen Gründerpopulation spielt zudem eine kontrollierte Zuchtplanung (Inzuchtkoeffizient, Genpool-Strategie der IG Schapendoes e.V.) eine wichtige Rolle.
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