Schillerstövare

FCI-Gruppe 6 · Sektion 1.2 · Mittelgroße Laufhunde, mit Arbeitsprüfung
Schillerstövare
Der Schillerstövare ist die älteste der schwedischen Stövarrassen und trägt den Namen des Landwirts Per Schiller aus Stenungssund. Wichtig zu wissen: Vom Rasseclub dokumentiert (Svenska Schillerstövarföreningen, Rasspezifische Zuchtstrategie RAS, festgestellt vom SKK-Avelskommitté 2025): Hüftgelenksdysplasie (HD, früher ein Problem, heute kein SKK-Gesundheitsprogramm mehr nötig) …
Größe
♂ 53–61 cm · ♀ 49–57 cm
Gewicht
♂ 18–25 kg · ♀ 18–25 kg
Lebenserwartung
12–15 Jahre
Aktivität
Sehr hoch
Kosten / Monat
ca. 70–160 €
Rasseportrait
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Steckbrief
FCI-Gruppe
Gruppe 6 (Laufhunde, Schweißhunde und verwandte Rassen), Sektion 1.2 (Mittelgroße Laufhunde, mit Arbeitsprüfung), FCI-Standard Nr. 131 — 22.08.2017 (Datum der Publikation des gültigen offiziellen Standards; deutsche Fassung vom 25.09.2018, englische Fassung vom 02.10.2017)
Herkunft
Schweden
Größe
Rüde: 53–61 cm Widerristhöhe, Idealgröße 57 cm (FCI-Standard Nr. 131) · Hündin: 49–57 cm Widerristhöhe, Idealgröße 53 cm (FCI-Standard Nr. 131)
Gewicht
Rüde: ca. 18–25 kg (der FCI-Standard macht keine Gewichtsvorgabe; Praxis-Richtwert übereinstimmend in mehreren Sekundärquellen, u. a. thedogsmag.com-Datenbank und Monkoodog: 18–25 kg) · Hündin: ca. 18–25 kg (identischer Praxis-Richtwert; FCI-Standard macht keine geschlechtsspezifische Gewichtsvorgabe)
Lebenserwartung
12–15 Jahre (Sekundärquellen variieren: thedogsmag.com-Datenbank und weitere Portale nennen 12–15 Jahre, Monkoodog 13–15 Jahre; keine peer-reviewte rassespezifische Lebenserwartungs-Studie gefunden — unsicher, weitere Prüfung empfohlen)
Fellfarben
Laut FCI-Standard: lohfarben mit ausgeprägtem schwarzem Mantel. Schwarz bedecken Rückseite von Hals und Rücken, obere Schulterpartie, Körperseiten, Lenden und Oberseite der Rute; lohfarben sind Kopf, Kehle, Brust, unterer Schulterbereich, Vorderbeine, Hinterbeine bis zu den Hüften sowie die Unterseite der Rute. Die Lohfarbe reicht in Nuancen von golden bis zu reich und tief. Kleine weiße Abzeichen an der Brust und an den Zehen sind zulässig, schwarze Abzeichen auf den Wangen erlaubt. Bei ausgewachsenen Hunden sind mit der Lohfarbe vermischte schwarze Haare nicht zulässig.
Aktivitätslevel
Sehr hoch — Der FCI-Standard beschreibt das Wesen des Schillerstövare knapp und präzise: »Lebhaft und aufmerksam.« Der Schwedische Kennel Club ergänzt in seiner …
Pflegeaufwand
Gering — Das Fell des Schillerstövare ist hart, nicht zu kurz und sehr eng anliegend; an Kopf, Ohren und den Vorderseiten der Läufe ist es kurz und glatt, unter der Rute und an der …
Anfängergeeignet
Kein pauschales Ja oder Nein: Der Schillerstövare ist laut schwedischem Kennel Club ausgeglichen, freundlich und gut trainierbar, was die Grunderziehung erleichtert — sein sehr hoher Bewegungsbedarf als Arbeitslaufhund und das stark ausgeprägte, eigenständige Fährtenverhalten machen einen zuverlässigen Freilauf-Gehorsam aber zu einer anspruchsvollen Trainingsaufgabe. Wer Grundwissen über Lerntheorie, realistische Erwartungen an den Rückruf auf einer Fährte und einen sicher eingezäunten Garten mitbringt, kommt zurecht; ohne diese Voraussetzungen ist die Rasse kaum artgerecht zu halten.
Listenhund-Status
Kein Listenhund — in keinem der 16 Bundesländer gelistet (Stand: 21.08.2026)
Geschätzte Kosten
Anschaffung 600–2.500 € · laufend ca. 70–160 €/Monat — Details im Kostenrechner unten
Herkunft & Geschichte
Der Schillerstövare ist die älteste der schwedischen Stövarrassen und trägt den Namen des Landwirts Per Schiller aus Stenungssund. Auf der ersten Hundeausstellung in Schweden 1886 in Stockholm wurden 189 Spürhunde gezeigt, darunter ein Rüde und seine Wurfschwester namens »Tamburini« und »Ralla I« aus dem Besitz Schillers — beide stammten von den berühmten Laufhunden ab, die auf dem Gut Kavlås gehalten wurden. Diese Hunde hatten vermutlich süddeutschen Ursprung, waren eher klein, lohfarben mit schwarzem Mantel und geringen weißen Abzeichen (FCI-Standard Nr. 131).
Die Rasse entstand aus einem bewusst gemischten Ausgangsmaterial: Zu den Kavlås-Laufhunden kamen in den 1870er-Jahren von H. Carbonnier importierte Schweizer Laufhunde (teils schwarz mit rotgelben Abzeichen) sowie von O. B. Rydholm importierte englische Laufhunde, vor allem der Harrier-Rüde Crossy. Per Schiller verpaarte diese Hunde ab den 1880er-Jahren gezielt — damals ungewöhnlich: überwiegend Nachkommen aus Geschwisterverpaarungen — mit dem Ziel, Hunde zu züchten, die in den kahlen, heidebewachsenen Bergen von Bohuslän Nase und Ausdauer bewiesen. Die Rasse erreichte schnell einen einheitlichen Typ, wobei die kontinentalen Einflüsse überwogen.
1907 wurde der Schillerstövare vom Schwedischen Kennel Club als Rasse anerkannt (zunächst als Unterrubrik »Stövare av korsad stam«, ab 1913 unter dem heutigen Namen); die FCI führt ihn unter Standard Nr. 131. In den 1970er- und 1980er-Jahren führten wenige dominierende Rüden zu einer schmalen Zuchtbasis und gehäufter Hüftgelenksdysplasie; ab Mitte der 1990er-Jahre wurden deshalb gezielt Luzerner Laufhunde, Finnische Laufhunde und Serbische Laufhunde (Serbski Gonic) eingekreuzt (RAS der Svenska Schillerstövarföreningen). Heute werden in Schweden etwa 130–200 Welpen pro Jahr registriert; die Rasse wird fast ausschließlich als Jagdhund auf Hase und Fuchs geführt, rund 80 % der Jäger jagen mit ihr Fuchs und andere Raubtiere.
Wesen & Charakter
Der FCI-Standard beschreibt das Wesen des Schillerstövare knapp und präzise: »Lebhaft und aufmerksam.« Der Schwedische Kennel Club ergänzt in seiner Rassebeschreibung ein ausgeglichenes, ruhiges Temperament, leichte Trainierbarkeit und eine grundsätzliche Familienhund-Tauglichkeit — überwiegend wird die Rasse aber als Jagdhund gehalten. Die Svenska Schillerstövarföreningen formuliert in ihrer Zuchtstrategie (RAS): Die Rasse ist lebhaft mit wachem Temperament und guter Mentalität und funktioniert auch sehr gut als Familienhund.
Diese Eigenschaften sind kein Zufall, sondern Ergebnis einer über Jahrhunderte gezielt geförderten Funktion: Als lautgebender Fährtenhund wurde der Schillerstövare auf die vorderen Glieder der ursprünglichen Beutefangsequenz selektiert (Orientieren – Fixieren – Anschleichen – Hinterherjagen – Fangbiss – Tötungsbiss – Aufreißen – Fressen, nach Coppinger). Beim Laufhund bleiben Orientieren, Fixieren und das ausdauernde, eigenständige Hinterherjagen über die Nase besonders stark ausgeprägt — das namensgebende, spurgenaue und lautgebende Treiben —, während Fangbiss und Tötungsbiss dem Jäger überlassen bleiben und vom Hund nicht gefordert sind. Diese Zuordnung ist eine Erweiterung auf Basis der breiteren Coppinger-Literatur zu Laufhunden/Scent Hounds und konsistent mit dem FCI-Verwendungstext (»Lautgebender Fährtenhund zur Jagd auf Hase und Fuchs«).
Ein für Halter praxisrelevanter Punkt ist die eingeschränkte Lesbarkeit der Körpersprache: Die langen Hängeohren und das dichte, eng anliegende Haar dämpfen feine mimische Signale, die bei Rassen mit aufgerichteten Ohren deutlicher sichtbar wären — nach der vergleichenden Verhaltensforschung (Feddersen-Petersen) reduziert die Zucht auf Schlappohren die Bandbreite sichtbarer Signale unabhängig vom tatsächlichen emotionalen Zustand. Wer den Hund gut einschätzen will, sollte deshalb Körperspannung, Gewichtsverlagerung und Lefzenspannung mitbeobachten.
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Erziehung & Beschäftigung
Die Erziehung des Schillerstövare steht und fällt mit realistischen Erwartungen an das Jagdverhalten. Weil die Rasse selektiv auf eigenständiges, vom Hundeführer entferntes Fährtenarbeiten gezüchtet wurde, ist ein hundertprozentig zuverlässiger Freilauf-Gehorsam in der Nähe einer interessanten Spur kaum realistisch — das ist keine Sturheit, sondern eine strukturelle Eigenschaft. Der Rückruf sollte systematisch über eine Ablenkungs- und Distanzhierarchie aufgebaut werden, beginnend in reizarmer Umgebung, mit konsequenter positiver Verstärkung; ein sicher eingezäunter Garten ist keine Option, sondern eine Grundvoraussetzung der Haltung.
Am besten entspricht der ursprünglichen Zuchtbestimmung eine gezielte Kanalisierung des Fährteninstinkts: Nasenarbeit, Fährten- bzw. Mantrailing-Übungen und kontrollierte Suchspiele bieten artgerechte geistige Auslastung und reduzieren unerwünschtes eigenmächtiges »Auf-Fährte-Gehen« im Alltag. Auch das lautgebende Treiben lässt sich nicht abtrainieren, wohl aber in kontrollierte Bahnen lenken — etwa über strukturierte Such- und Treibübungen.
Von Dominanzansätzen ist grundsätzlich abzuraten — sie sind wissenschaftlich überholt und für den kooperativen Lerntyp des Jagdhunds wenig zielführend; die Studienlage spricht klar gegen aversive Methoden (Vieira de Castro et al. 2020; Ziv 2017). Die primäre Sozialisationsphase liegt bei ca. 3.–12. Lebenswoche (Scott & Fuller 1965; bis ca. 14./16. Woche auslaufend) — wer einen Welpen dieser Rasse aufnimmt, sollte diese Zeit konsequent für positive Begegnungen nutzen. Hundeschulen mit Angeboten zu Rückruftraining unter Ablenkung sowie zu Nasenarbeit/Mantrailing sind für diese Rasse besonders empfehlenswert.
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Pflege & Gesundheit
Das Fell des Schillerstövare ist hart, nicht zu kurz und sehr eng anliegend; an Kopf, Ohren und den Vorderseiten der Läufe ist es kurz und glatt, unter der Rute und an der Hinterhand etwas länger (FCI-Standard). Der Pflegeaufwand ist im Rassenvergleich gering: gelegentliches Bürsten genügt, nach der Jagd sollten Kletten und Schmutz sowie Ohren kontrolliert werden.
Die Gesundheitslage ist insgesamt gut, aber nicht ohne Vorgeschichte: Die Rasspezifische Zuchtstrategie (RAS) der Svenska Schillerstövarföreningen (festgestellt vom SKK-Avelskommitté 2025) nennt drei historische Rassenthemen — Hüftgelenksdysplasie (HD), Kryptorchismus und persistierender Ductus arteriosus (PDA). Die HD-Belastung ist durch Zuchtauswahl so weit zurückgegangen, dass das frühere SKK-Gesundheitsprogramm entfernt wurde; für PDA läuft seit ca. 20 Jahren ein Zuchtprogramm des Svenska Stövarklubben mit abnehmender Fallzahl; Kryptorchismus tritt nur noch in wenigen Fällen auf. Epilepsie kommt sporadisch vor und wird über das Zuchtprogramm berücksichtigt.
Laut einer Agria-Versicherungsauswertung (zitiert im RAS) hat die Rasse eine überdurchschnittliche Frequenz von Atemwegserkrankungen, darunter Halsentzündungen — ein für hochleistende Jagdhunde typisches Muster, das auf die extreme Beanspruchung der Atemwege beim Treiben zurückgeführt wird (u. a. Bakterien-/Virusinfektionen, Schleimhautreizung durch harte Jagd). Dies ist keine Erbkrankheits-Häufung, sollte aber bei wiederkehrenden Halsproblemen tierärztlich abgeklärt werden.
Redaktionelle Einordnung des Lexikons: Der Schillerstövare zeigt keine Qualzucht-Merkmale im Sinne von § 11b TierSchG (keine Brachyzephalie, keine Chondrodystrophie, proportionierter Körperbau). Als kleine Rasse mit historischer Inzucht-Problematik und laufenden Einkreuzungen ist er aber populationsgenetisch sensibel — Zuchtziele der Rasseorganisation sind ein maximaler Inzuchtgrad von 2,5 % und höchstens vier Würfe je Rüde; Interessenten sollten auf gesunde, aus Zuchtprogrammen stammende Elterntiere achten.
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Häufige Fragen zum Schillerstövare
Kein pauschales Ja oder Nein: Die Rasse ist gut trainierbar und ausgeglichen, aber ihr sehr hoher Bewegungsbedarf als Arbeitslaufhund und das eigenständige Fährtenverhalten machen einen zuverlässigen Freilauf-Gehorsam zu einer anspruchsvollen Aufgabe. Ohne Erfahrung mit Jagdhunden, Grundwissen über Lerntheorie und einen sicher eingezäunten Garten sollte man von der Anschaffung absehen.
Sehr viel: Als lautgebender Fährtenhund auf Hase und Fuchs braucht er ausdauernde Bewegung und zusätzlich gezielte geistige Auslastung über Nasenarbeit — ausgedehnte Spaziergänge allein reichen oft nicht, kontrollierte Suchspiele und Fährtenarbeit sind die artgerechteste Ergänzung.
Nein. Der Schillerstövare steht in keinem der 16 Bundesländer auf einer Rasseliste für gefährliche Hunde — weder bundesweit noch landesrechtlich.
Beide sind schwedische Stövare mit eigenen FCI-Standardnummern (131 bzw. 132) und praktisch identischen Größenmaßen. Der auffälligste Unterschied ist die Farbe: Der Schillerstövare ist lohfarben mit schwarzem Mantel, der Hamiltonstövare dreifarbig braun-schwarz-weiß mit weißem Halsring; zudem basiert der Hamiltonstövare stärker auf englischen Foxhound-Kreuzungen.
Dokumentierte Rassenthemen (RAS der Svenska Schillerstövarföreningen/SKK 2025): Hüftgelenksdysplasie (früher ein Problem, heute kein Gesundheitsprogramm mehr nötig), persistierender Ductus arteriosus (PDA, durch Zuchtprogramm rückläufig), Kryptorchismus (wenige Fälle) und sporadische Epilepsie; laut Agria-Daten überdurchschnittlich häufige Atemwegserkrankungen, typisch für hochleistende Jagdhunde. Zusätzlich ist die Rasse populationsgenetisch sensibel (kleine Zuchtbasis, Inzucht-Historie).
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