Segugio Italiano (Drahthaar)

FCI-Gruppe 6 · Sektion 1.2 · Mittelgroße Laufhunde, mit Arbeitsprüfung
Segugio Italiano (Drahthaar)
Der italienische Laufhund gehört zu den ältesten Jagdhund-Typen der Apenninen-Halbinsel … Wichtig zu wissen: GAPO-Syndrom (Growth retardation, Alopecia, Pseudoanodontia, Optic atrophy): 2025 wurde beim Segugio Italiano eine canine Form dieses seltenen, autosomal-rezessiven Syndroms identifiziert …
Größe
♂ 52–60 cm · ♀ 50–58 cm
Gewicht
♂ 20–28 kg · ♀ 18–26 kg
Lebenserwartung
12–14 Jahre
Aktivität
Hoch
Kosten / Monat
ca. 75–170 €
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Steckbrief
FCI-Gruppe
Gruppe 6 (Laufhunde, Schweißhunde und verwandte Rassen), Sektion 1.2 (Mittelgroße Laufhunde, mit Arbeitsprüfung), FCI-Standard Nr. 198 — 13.11.2015 (Datum der Publikation des gültigen offiziellen Standards laut fci.be; deutsche Fassung datiert 26.09.2018)
Herkunft
Italien
Größe
Rüde: 52–60 cm Widerristhöhe (FCI-Standard Nr. 198; bei hervorragenden Hunden Über-/Unterschreitung um 2 cm toleriert) · Hündin: 50–58 cm Widerristhöhe (FCI-Standard Nr. 198; bei hervorragenden Hunden Über-/Unterschreitung um 2 cm toleriert)
Gewicht
Rüde: 20–28 kg (FCI-Standard Nr. 198) · Hündin: 18–26 kg (FCI-Standard Nr. 198)
Lebenserwartung
12–14 Jahre (Quellen variieren; keine rassespezifische peer-reviewte Lebenserwartungsstudie gefunden — der Wert ist ein allgemeiner Richtwert für mittelgroße, robuste Laufhunde; häufig wird 12–14 Jahre angegeben, einzelne Portale nennen 12–13 Jahre — unsichere Angabe, weitere Prüfung empfohlen)
Fellfarben
Laut FCI-Standard Nr. 198: das gesamte Spektrum von einfarbigem Falb (dunkelrot, berußt, bis hell) sowie Schwarz und Loh. Weiß auf Fang und Schädel (als symmetrische Maske oder nicht), auf Hals, als Stern auf der Brust, an Vorder- und Hintermittelfuß, auf den Pfoten und an der Rutespitze zulässig — Weiß ist laut Standard jedoch nicht wünschenswert (je weniger, desto besser). Schwarz/Loh mit weißem Bruststern gilt als dreifarbiger Segugio. Disqualifizierend: Schiefer- oder Bleifarben, gestromt, kaffeefarben, braun, leberfarben und vorherrschend weißes Haarkleid.
Aktivitätslevel
Hoch — Der FCI-Standard Nr. 198 beschreibt den rauhaarigen Segugio als perfekt an schwierigstes Gelände angepasst und sowohl für die Jagd im Gebirge als auch in der …
Pflegeaufwand
Mittel — Das rauhaarige Fell (a pelo forte) ist nach FCI-Standard Nr. 198 »unverkennbar rau«, am Rumpf höchstens 5 cm lang, auf Kopf, Behang, Gliedmaßen, Rute und Fang dagegen weniger rau …
Anfängergeeignet
Kein pauschales Ja oder Nein: Der rauhaarige Segugio ist ein unkompliziertes, anspruchsloses und sehr ausdauerndes Jagd- und Arbeitshund-Wesen, das über positive Verstärkung gut formbar ist — er ist aber kein Begleithund, der sich mit kurzen Gassirunden zufriedengibt. Wer ein echtes Jagd- oder Nasenarbeits-Umfeld bietet, Grundwissen über Lerntheorie mitbringt und realistisch einplant, dass ein auf einer heißen Fährte arbeitender Hund auf den Rückruf verzögert reagiert, kommt gut zurecht; wer dagegen einen gutmütig-folgsamen Familienhund erwartet, unterschätzt die arbeitsbedingte Eigenständigkeit der Rasse und wird häufig unzufrieden.
Listenhund-Status
Kein Listenhund — in keinem der 16 Bundesländer gelistet (Stand: 06.08.2026)
Geschätzte Kosten
Anschaffung 800–2.500 € · laufend ca. 75–170 €/Monat — Details im Kostenrechner unten
Herkunft & Geschichte
Der italienische Laufhund gehört zu den ältesten Jagdhund-Typen der Apenninen-Halbinsel, und der FCI-Standard Nr. 198 verweist selbst auf eine bis in die Antike zurückreichende Tradition: Hunde von gleichem Typ und gleicher Größe wie der heutige Segugio flankieren die Statuen der »Jagenden Diana« im Museum von Neapel und der »Bogenschießenden Diana« im Vatikan. In einem lombardischen Gräberfeld in der Provinz Verona wurden zwei vollständig erhaltene Hunde-Skelette gefunden, deren Beschaffenheit mit dem modernen Segugio identisch ist; auf einer Darstellung im Schloss von Borso d’Este (1600) ist eine »vorzügliche Abbildung« des heutigen Hundes zu sehen. Die Abstammung selbst, so hält der Standard fest, »verliert sich im Dunkel der Zeit« — die Rasse wurde also nicht künstlich erschaffen, sondern über Jahrhunderte als Gebrauchsgegenstand der Jagd herausgezüchtet.
Der Segugio ist ein klassischer Schweiß- und Laufhund, der laut Standard speziell zur Jagd auf Hasen und Wildschweine eingesetzt wird. Als solcher arbeitet er mit der Nase, verfolgt das Wild ausdauernd über die Fährte und gibt dabei lautmelodisch Laut, damit der Jäger ihn im Gelände orten kann. Die Rasse stammt aus Italien, wo sie in regionalen Schlägen weit verbreitet und bis heute ein Arbeitshund der Jäger ist, ehe sie international — auch über den FCI — anerkannt wurde.
Wichtig für das Verständnis der Systematik: Der FCI führt unter dem Namen »Segugio Italiano« zwei Fellformen, die oft fälschlich als »zwei Fellvarietäten einer Rasse« wahrgenommen werden. Tatsächlich sind es zwei eigenständige FCI-Standards: Nr. 198 für die rauhaarige Fellform (a pelo forte, »Drahthaariger italienischer Laufhund«) und Nr. 337 für die kurzhaarige Fellform (a pelo raso, »Kurzhaariger italienischer Laufhund«). Das vorliegende Portrait behandelt ausschließlich die rauhaarige Form (FCI 198). Der Segugio Maremmano (FCI 361) und der Segugio dell’Appennino (FCI 375, provisorisch) sind weitere eigenständige italienische Laufhund-Standards.
Wesen & Charakter
Der FCI-Standard Nr. 198 beschreibt den rauhaarigen Segugio als perfekt an schwierigstes Gelände angepasst und sowohl für die Jagd im Gebirge als auch in der Ebene geeignet — »sehr widerstandsfähig und schnell« arbeitet er »mit Eifer und Leidenschaft, alleine oder in der Meute«. Auffällig ist eine Formulierung, die nur im Drahthaar-Standard steht: Im Vergleich zu den kurzhaarigen Exemplaren (FCI 337) sei er »zurückhaltend, weniger überschwänglich, klug, ruhig und arbeitswillig«. Der Standard nennt zudem einen »freundlichen, sanften und stolzen Blick« mit »einem Hauch von Melancholie« und eine »wohlklingende und angenehme« Stimme.
Ethologisch ist der Segugio ein typischer Laufhund (Scent Hound): In der ursprünglichen Beutefangsequenz nach Coppinger (Orientieren – Fixieren – Anschleichen – Hinterherjagen – Fangbiss – Tötungsbiss – Aufreißen – Fressen) bleiben beim Laufhund die vorderen Glieder — Orientieren, Aufnehmen und ausdauerndes Verfolgen der Fährte über die Nase — sowie die rassebildende Lautgebung (Baying) stark erhalten, während Fangbiss und Tötungsbiss dem Jäger vorbehalten bleiben und vom Hund nicht gefordert sind. Diese Zuordnung ist eine Erweiterung auf Basis der breiteren Coppinger-Literatur zu Scent Hounds und des FCI-Verwendungstextes (»speziel zur Jagd nach Hasen und Wildschweinen«), kein wörtliches Modul-4a-Zitat.
Alltagsverhalten wie die ausgeprägte Eigenständigkeit beim Arbeiten oder das verzögerte Reagieren auf den Rückruf auf einer frischen Fährte wird deshalb NICHT pauschal als »vererbter Ungehorsam« gedeutet: Es ist die Kombination aus einer jahrhundertelang auf unabhängiges, weit vom Führer entferntes Fährtenarbeiten selektierten Anlage (belegt im FCI-Verwendungstext) und einem lern- bzw. stimulusbedingten Effekt — ein hochattraktiver Duftreiz mit hohem Verstärkerwert verdrängt die Aufmerksamkeit für das Kommando, ein Phänomen, das lerntheoretisch über Verstärkerwert und fehlende Generalisierung erklärbar ist, ohne dem Hund eine »Absicht« zu unterstellen.
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Erziehung & Beschäftigung
Der Segugio Italiano (Drahthaar) ist ein ausgesprochen lernfähiger, kooperativer Arbeitshund, der über positive Verstärkung zuverlässig geführt werden kann; von Dominanz- und »Alphatier«-Ansätzen ist grundsätzlich abzuraten, da sie wissenschaftlich überholt sind und den kooperativen Lerntyp des Hundes schwächen. Die hohe Belohnungsmotivation — bei vielen Laufhunden gerade über Futter — macht Belohnungstraining besonders effektiv, sollte aber mit Blick auf das Zielgewicht der Rasse (20–28 kg) kalorienbewusst dosiert werden.
Der zentrale Erziehungsschwerpunkt ist der Umgang mit der ausgeprägten Nasenarbeit. Weil der Hund auf eine frische, attraktive Fährte in einen starken sensorischen Fokus gerät, ist ein hundertprozentig zuverlässiger Freilauf-Rückruf in unmittelbarer Nähe einer interessanten Spur bei vielen Hunden dieser Rasse kaum realistisch. Das ist kein Sturheitsproblem, sondern eine Kombination aus gezüchteter Arbeitsanlage und der enormen Reizstärke des Dufts. Ein Rückruf sollte deshalb systematisch über eine Ablenkungs- und Distanzhierarchie aufgebaut werden — beginnend in reizarmer Umgebung und langsam gesteigert —, und eine lückenlose Einzäunung des Gartens ist keine Option, sondern eine Grundvoraussetzung der Haltung.
Am besten entspricht die Rasse ihrer Zuchtbestimmung in der strukturierten Nasenarbeit: Mantrailing, Fährtenarbeit und kontrollierte Suchspiele bieten artgerechte geistige Auslastung, kanalisieren den Suchtrieb und verringern unerwünschtes eigenmächtiges »Auf-Fährte-Gehen« im Alltag. Hier ist eine Hundeschule mit Angeboten zu Nasenarbeit/Mantrailing und zu Rückruftraining unter Ablenkung besonders empfehlenswert. Bei Frustration im Training gilt: Wird eine gewohnte Belohnung konsequent ausgesetzt, zeigt der Hund in aller Regel zunächst einen kurzzeitigen Intensitätsanstieg (Extinktionsburst), bevor das Verhalten abklingt — wer in diesem Moment nachgibt, verstärkt das Verhalten auf höherem Niveau erneut.
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Pflege & Gesundheit
Das rauhaarige Fell (a pelo forte) ist nach FCI-Standard Nr. 198 »unverkennbar rau«, am Rumpf höchstens 5 cm lang, auf Kopf, Behang, Gliedmaßen, Rute und Fang dagegen weniger rau; unter den Lefzen bildet es einen »Bart«, an den Augenbrauenbögen mäßig langes Haar. Die Pflege ist überschaubar, aber regelmäßig: Gelegentliches Ausbürsten und ein gelegentliches Hand-Stripping bzw. Trimmen der rauen Haare hält das Fell gesund und verwitterungsfest; das kurze, dichte, raue Haarkleid schmutzt anders als glattes Fell und muss nicht geschoren werden.
Die Hängeohren sind der wichtigste Pflege- und Gesundheitspunkt: Sie schränken die Belüftung des Gehörgangs ein, sodass Ohrenerkrankungen bei Laufhunden mit herabhängenden Ohren zählen.
Für das Gesundheitsprofil ist ein 2025 am Canine Genetics Centre der University of Cambridge vorgestellter Befund von Bedeutung — eine canine Form des GAPO-Syndroms (Growth retardation, Alopecia, Pseudoanodontia, Optic atrophy), verursacht durch eine Nonsense-Variante im ANTXR1-Gen, identifiziert beim Segugio Italiano (angekündigt auf dem CAGH-Kongress 2025). Es handelt sich um eine sehr seltene, autosomal-rezessive Erbkrankheit, die für die Zuchtplanung relevant ist (Gentest/Residualrisiko bei Anpaarung Träger × Träger), nicht aber um ein häufiges, alltagsrelevantes Einzelerkrankungsbild. Im Übrigen gilt die Rasse laut den verbreiteten Rassebeschreibungen übereinstimmend als robust und ausdauernd; eine rassespezifisch dokumentierte Häufung von Gelenk- oder Erbkrankheiten liegt für den rauhaarigen Segugio nicht vor. Die Einordnung dieser Befunde ist eine redaktionelle Einschätzung des Lexikons; eine Bewertung nach § 11b TierSchG obliegt den zuständigen Behörden.
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Häufige Fragen zum Segugio Italiano (Drahthaar)
Nein — das ist der häufigste Irrtum. Der FCI führt zwei eigenständige Standards: Nr. 198 für die rauhaarige Fellform (a pelo forte, Drahthaar, mit Bart und rauem Fell) und Nr. 337 für die kurzhaarige Fellform (a pelo raso). Beide tragen den Namen »Segugio Italiano«, sind aber getrennte FCI-Standards mit eigenen Maßen und werden im Lexikon als separate Rassen geführt.
Kein pauschales Ja oder Nein: Die hohe Belohnungsmotivation erleichtert die Grunderziehung, doch der stark ausgeprägte Fährten- und Suchtrieb macht einen zuverlässigen Freilauf-Rückruf anspruchsvoll. Mit Grundwissen über Lerntheorie, realistischer Erwartungshaltung und sicher eingezäuntem Garten ist die Rasse auch für Einsteiger machbar.
Der extreme Geruchssinn und der ausgeprägte Fährtentrieb lassen auf einer frischen, interessanten Spur andere Reize einschließlich des Rückrufs in den Hintergrund treten — das ist kein Ungehorsam, sondern ein sensorischer Fokuszustand, der auf jahrhundertlange Selektion zum unabhängigen Fährtenarbeiten zurückgeht und im Training über eine Distanz-/Ablenkungshierarchie adressiert wird.
Nein. Der Segugio Italiano (Drahthaar) steht in keinem der 16 Bundesländer auf einer Rasseliste für gefährliche Hunde und ist auch nicht vom bundesweiten Einfuhrverbot nach HundVerbrEinfG betroffen, das nur Pitbull, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier, Bullterrier und Kreuzungen betrifft.
2025 wurde am Canine Genetics Centre (Cambridge) eine seltene canine Form des GAPO-Syndroms identifiziert, verursacht durch eine Nonsense-Variante im ANTXR1-Gen. Im Übrigen gilt die Rasse als robust und wenig anfällig für die bei großen Hunden üblichen Gelenkprobleme; eine rassespezifische Prävalenzstudie zu Hüftgelenksdysplasie existiert nicht.
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