Sloughi

FCI-Gruppe 10 · Sektion 3 · Kurzhaarige Windhunde
Sloughi
Der FCI-Standard Nr. 188 führt Marokko als für den Standard verantwortliches Ursprungsland, ordnet den Sloughi der Gruppe 10 (Windhunde), Sektion 3 (Kurzhaarige Windhunde) zu und nennt als Verwendungszweck ausdrücklich „Jagd auf Sicht“. Wichtig zu wissen: Progressive Retinaatrophie (rcd1a, PDE6B-Genmutation, Gentest verfügbar, Dekomien et al. 2000); rassetypische Anästhesie-Empfindlichkeit bei Thiobarbituraten wegen geringen Körperfettanteils (Court 1999); rassetypisch niedrigere Schilddrüsen-Referenzwerte mit Risiko einer Hypothyreose-Fehldiagnose …
Größe
♂ 66–72 cm · ♀ 61–68 cm
Gewicht
♂ 20–28 kg · ♀ 16–24 kg
Lebenserwartung
12–15 Jahre
Aktivität
Hoch
Kosten / Monat
ca. 95–195 €
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Steckbrief
FCI-Gruppe
Gruppe 10 (Windhunde), Sektion 3 (Kurzhaarige Windhunde), FCI-Standard Nr. 188 — Publikationsdatum des gültigen Standards 08.01.1998, deutsche/englische Übersetzung 27.04.1998 (fci.be) — seither keine Revision
Herkunft
Marokko (von der FCI als für den Standard verantwortliches Ursprungsland geführt; historisch im gesamten Maghreb – Marokko, Algerien, Tunesien – beheimatet)
Größe
Rüde: 66–72 cm Widerristhöhe (FCI-Standard Nr. 188, Idealgröße 70 cm) · Hündin: 61–68 cm Widerristhöhe (FCI-Standard Nr. 188, Idealgröße 65 cm)
Gewicht
Rüde: ca. 20–28 kg (FCI-Standard macht keine Gewichtsvorgabe → Praxis-Richtwert; Quellen variieren: 16–23 kg ohne Geschlechtertrennung laut hunderasse.de, 22–28 kg laut welpe.de, 20–27 kg beidgeschlechtlich laut amba-versicherungen.de — hier Kernspanne der Mehrheit der Quellen) · Hündin: ca. 16–24 kg (Praxis-Richtwert, gleiche Quellenlage; welpe.de beziffert Hündinnen mit 18–24 kg, tendenziell 3–5 kg leichter als Rüden)
Lebenserwartung
12–15 Jahre (Quellen variieren 10–16: welpe.de und amba-versicherungen.de nennen 12–16 Jahre, hunderasse.de 10–15 Jahre; keine dedizierte peer-reviewte Kohortenstudie speziell zum Sloughi gefunden — unsicher, weitere Prüfung empfohlen)
Fellfarben
Laut FCI-Standard alle Tonschattierungen von hellsandfarben bis rotsandfarben (Fauve), jeweils mit oder ohne schwarze Maske, mit oder ohne schwarzen Mantel, mit oder ohne schwarze Stromung (Brindle), mit oder ohne schwarze Wolkung. Der Deutsche Sloughi-Club fasst dies praxisnah in drei Grundfarben zusammen: sandfarben (hellsand bis rußig-rot), schwarz mit sandfarbenen/gestromten Abzeichen (schwarzer Mantel) und gestromt. Ein kleines weißes Brustabzeichen gilt als einfacher Fehler, größere weiße Abzeichen bzw. weiße „Stiefel“ sind disqualifizierend.
Aktivitätslevel
Hoch — Der FCI-Standard beschreibt das Wesen des Sloughi knapp, aber pointiert: „Obgleich edel und stolz hängt er sehr an seinem Herrn und verteidigt ihn bei …
Pflegeaufwand
Gering — Das sehr kurze, dichte Fell ist pflegeleicht: Gelegentliches Abreiben mit Noppenhandschuh oder feuchtem Tuch genügt laut Deutschem Sloughi-Club vollständig; ein regelmäßiger …
Anfängergeeignet
Nicht pauschal mit Ja oder Nein zu beantworten: Wer sich mit dem ausgeprägten Sichtjagd-Instinkt, sicherem Freilauf-Management (Zaun/Schleppleine) und dem hohen, aber kurzintensiven Bewegungsbedarf der Rasse auseinandersetzt oder sich entsprechend anleiten lässt, kann auch als Einsteiger gut zurechtkommen; ohne dieses Grundwissen überfordert die Rasse eher unerfahrene Halter.
Listenhund-Status
Kein Listenhund — in keinem der 16 Bundesländer gelistet (Stand: 21.08.2026)
Geschätzte Kosten
Anschaffung 1200–3.200 € · laufend ca. 95–195 €/Monat — Details im Kostenrechner unten
Herkunft & Geschichte
Der FCI-Standard Nr. 188 führt Marokko als für den Standard verantwortliches Ursprungsland, ordnet den Sloughi der Gruppe 10 (Windhunde), Sektion 3 (Kurzhaarige Windhunde) zu und nennt als Verwendungszweck ausdrücklich „Jagd auf Sicht“. Historisch ist die Rasse seit Jahrhunderten im gesamten Maghreb — Marokko, Algerien, Tunesien — beheimatet und war traditionell der Jagdgefährte nordafrikanischer Beduinen für die Sichtjagd auf Gazellen und Hasen. Die Beduinen nennen den Hund bis heute „El Hor“, den Edlen, und stellten ihn traditionell neben Reitpferd und Dromedar als ihren wertvollsten Besitz.
Ältere Belege reichen weit zurück: Ägyptische Wandreliefs aus der Zeit vor rund 3.000 Jahren zeigen einen ähnlichen Hundetyp bei der Gazellen- und Antilopenjagd, noch ältere Zeugnisse glatthaariger, hängeohriger Windhunde stammen aus der Blütezeit der mesopotamischen Kultur. Auch auf nordafrikanischen Mosaiken aus der Zeit um Christi Geburt sind Windhunde bei der Jagd auf afrikanisches Wild verewigt. Ob und in welchem Ausmaß sich römisch importierte gallische Windhunde mit den einheimischen nordafrikanischen Windhundtypen vermischten, lässt sich laut VDH-Quelle nur schwer nachvollziehen und wird deshalb hier bewusst nicht als gesicherter Fakt behauptet.
Eine der frühesten westlichen Beschreibungen stammt vom französischen General Daumas, der bereits 1853 die besondere Beziehung zwischen nordafrikanischen Arabern und ihren Windhunden schilderte: Anders als der gewöhnliche Hund genieße „nur der Windhund allein… die Zuneigung und Achtung, die Zärtlichkeit des Herrn“. Der Deutsche Sloughi-Club 1980 e.V. wurde in enger internationaler Zusammenarbeit mit den afrikanischen Ursprungsländern gegründet, um die Rasse „in ihrer ursprünglichen Schönheit zu bewahren und zu schützen“ — gezüchtet wird dort ausschließlich mit Hunden, deren Abstammung nachweislich aus Marokko, Algerien oder Tunesien stammt.
Der heute gültige FCI-Standard ist seit dem 08.01.1998 in Kraft (deutsche und englische Fassung vom 27.04.1998) und wurde seither nicht revidiert. Der Name „Sloughi“ wird sowohl im Deutschen als auch im Englischen unverändert verwendet — eine gesonderte englische Übersetzung existiert nicht, da der Begriff direkt aus dem Arabischen entlehnt und international als Eigenname geführt wird.
Wesen & Charakter
Der FCI-Standard beschreibt das Wesen des Sloughi knapp, aber pointiert: „Obgleich edel und stolz hängt er sehr an seinem Herrn und verteidigt ihn bei Veranlassung. Mit dem Instinkt des Jägers ausgestattet und zu ausdauernder Anstrengung fähig, schätzt er gleichwohl die bequeme Behaglichkeit eines Heims.“ Diese knappe Standard-Formulierung zeichnet einen Hund, der ausgeprägte Nähe zum Menschen sucht, ohne unterwürfig zu sein.
Ergänzend beschreibt der Deutsche Sloughi-Club (VDH-Publikation „Unser Rassehund“) Reserviertheit gegenüber fremden Menschen als angeborene Eigenschaft, gepaart mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein und aufmerksamer Wachsamkeit — im vertrauten Umfeld dagegen offen, freundlich und anhänglich. Wichtig für die fachliche Einordnung: Diese Zurückhaltung gegenüber Fremden ist ein eigenständiges Sozialverhalten, kein Teil der Jagd-Instinktkette, und sollte begrifflich nicht mit dem Beutefangverhalten vermengt werden.
Als traditioneller Sichtjäger zeigt der Sloughi einen markanten Ausschnitt der ursprünglichen Beutefangsequenz (nach Coppinger: Orientieren – Fixieren – Anschleichen – Hinterherjagen – Fangbiss – Tötungsbiss – Aufreißen – Fressen) besonders stark ausgeprägt: „Orientieren – Fixieren – Hinterherjagen“ ist über schnell bewegte visuelle Reize auslösbar, nicht über Witterung — dokumentiert durch den FCI-Verwendungstext „Jagd auf Sicht“ und die Zuchtvereinsbeschreibung eines Hundes, der „jagdlich hoch passioniert auf Bewegungsreize“ reagiert.
Nicht jedes auffällige Alltagsverhalten lässt sich so herleiten: Punktuelles Ignorieren von Kommandos in reizarmen Alltagssituationen oder ausgeprägte Eigenständigkeit sind eher lerntheoretisch erklärbar (hoher Verstärkerwert eines Reizes, individueller Trainingsstand, Generalisierungsgrad) als durch einen pauschalen „Dickkopf“- oder „Sturheit“-Charakter — eine differenzierte statt vermenschlichende Betrachtung hilft beim Training deutlich weiter.
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Erziehung & Beschäftigung
Der Deutsche Sloughi-Club empfiehlt für die Erziehung „Konsequenz ebenso wie einfühlsames Vorgehen ohne Härte“ — deckungsgleich mit der lerntheoretisch begründeten Empfehlung, auf positive Verstärkung statt Druck oder Zwang zu setzen. Aktuelle Studien (Vieira de Castro et al. 2020, PLOS ONE; Ziv 2017, Journal of Veterinary Behavior) zeigen, dass aversive Trainingsmethoden keinen belegten Wirksamkeitsvorteil bringen, aber mit messbar erhöhtem Stress (Cortisol-Anstieg), mehr Stressverhalten und Risiken für die Mensch-Hund-Beziehung einhergehen — das ist die fachliche Begründung für den Verzicht auf harte Korrekturen, nicht eine (unzutreffende) Vorstellung von besonders empfindlicher Haut.
Ein zentrales Trainingsthema ist der Rückruf unter Ablenkung: Da der Sichtjagd-Instinkt über schnell bewegte visuelle Reize triggerbar ist, sollte Grundgehorsam von Anfang an unter realistischer, aber kontrollierter Reizsteigerung geübt werden (z. B. an langer Schleppleine mit ansteigender Ablenkung) statt ausschließlich im reizarmen Umfeld — im reizarmen Wohnzimmer zuverlässige Signale versagen bei einem plötzlichen Sichtreiz häufig ohne weiteres Training.
Passende Beschäftigungsformen sind kontrolliertes Sprinten, Coursing und Bahnrennen ohne kommerziellen Renngeschäft-Hintergrund — sie kommen dem angeborenen Bewegungsbedürfnis entgegen, ohne das Risiko unkontrollierten Nachjagens einzugehen. Freilauf ohne Leine bleibt dagegen in unbekanntem oder unzureichend eingezäuntem Gelände ein von Zuchtvereinsseite dokumentiertes Risiko.
Die primäre Sozialisationsphase (ca. 3.–12. Lebenswoche, sekundär auslaufend bis 14./16. Woche je nach Quelle) ist besonders wichtig, damit die rassetypische Reserviertheit gegenüber Fremden nicht in übermäßige Ängstlichkeit kippt — Letzteres gilt laut FCI-Standard sogar ausdrücklich als disqualifizierender Fehler. Bei Fragen rund um Rückruftraining, Grundgehorsam und Impulskontrolle kann der Besuch einer Hundeschule mit Windhund-Erfahrung sinnvoll sein.
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Pflege & Gesundheit
Das sehr kurze, dichte Fell ist pflegeleicht: Gelegentliches Abreiben mit Noppenhandschuh oder feuchtem Tuch genügt laut Deutschem Sloughi-Club vollständig; ein regelmäßiger Schurtermin wie bei langhaarigen Rassen entfällt.
Rassespezifisch dokumentiert ist die progressive Retinaatrophie (rcd1a): Dekomien et al. (2000) identifizierten eine 8-Basenpaar-Insertion im PDE6B-Gen als ursächliche, autosomal-rezessiv vererbte Mutation. Betroffene Hunde zeigen laut Studienlage erste Symptome meist erst mit 2–3 Jahren, der Verlauf ist langsam und variabel — ein Gentest ermöglicht Züchtern, Anlageträger-Verpaarungen gezielt zu vermeiden.
Zwei weitere Besonderheiten betreffen vor allem den Umgang mit Tierärzten: Windhunde reagieren wegen des geringen Körperfettanteils empfindlich auf bestimmte ältere Narkosemittel (Thiobarbiturate wie Thiopental) — die Aufwachphase kann sich laut Court (1999) massiv verlängern; Alternativen wie Propofol gelten als besser steuerbar. Zudem zeigen Windhundrassen einschließlich Sloughi laut Hegstad-Davies et al. (2015) rassetypisch niedrigere T4-/fT4-Referenzwerte als der allgemeine Rassedurchschnitt — eine unreflektierte Anwendung allgemeiner Referenzbereiche birgt das Risiko einer fälschlichen Hypothyreose-Diagnose mit unnötiger Hormonsubstitution.
Der laut FCI-Standard tiefe, aber schmale Brustkorb ist außerdem ein anatomisches Risikomerkmal für Magendrehung, wie es für tiefbrüstige, schlanke Rassen allgemein beschrieben ist — Ruhe vor und nach dem Fressen sowie mehrere kleinere Mahlzeiten gelten als sinnvolle Vorsichtsmaßnahmen. Der Deutsche Sloughi-Club beschreibt die Rasse insgesamt als „gesunde Konstitution“ mit meist natürlichem Geburts- und Aufzuchtverlauf — die genannten Einzelrisiken stehen dem nicht entgegen, sollten aber vor der Anschaffung bekannt sein. Redaktionelle Einordnung des Lexikons: Diese Häufung dokumentierter Einzelrisiken (Erbkrankheit mit Gentest, Anästhesie-Besonderheit, diagnostischer Fallstrick) sowie die international kleine, aktiv über Importe gestützte Zuchtpopulation begründen die Einstufung risikoflag_rechner=ja — nicht jedoch qualzucht_flag=ja, da kein Zuchtziel auf ein die gesamte Rasse betreffendes schädigendes Merkmal vorliegt (§ 11b TierSchG ist hier daher nicht einschlägig).
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Häufige Fragen zum Sloughi
Nicht pauschal: Wer sich mit dem ausgeprägten Sichtjagd-Instinkt, dem hohen Bewegungsbedarf und sicherem Freilauf-Management auskennt oder sich dieses Wissen gezielt aneignet (z. B. über Zuchtverein oder windhunderfahrene Hundeschule), kann auch als Einsteiger mit dieser Rasse zurechtkommen. Ohne diese Vorbereitung ist die Rasse eher etwas für erfahrene Windhundhalter.
Sinnvoll ist ein PRA-Gentest (rcd1a/PDE6B) der Elterntiere, da diese Augenerkrankung monogen autosomal-rezessiv vererbt wird und Anlageträger-Verpaarungen dadurch gezielt vermeidbar sind. Zusätzlich sollte laut Deutschem Sloughi-Club die Abstammung aus einem der nordafrikanischen Ursprungsländer (Marokko, Algerien, Tunesien) nachweisbar sein.
Er braucht täglich Bewegung, vor allem aber kurze, hochintensive Sprintphasen in sicherer Umgebung (eingezäunter Garten, Coursing) statt stundenlanger Dauerbelastung wie reinem Joggen — dazu kommt ein ausgeprägtes Ruhebedürfnis im Haus.
Nein, er ist in keinem der 16 Bundesländer als Listenhund geführt (Stand 21.08.2026). Unabhängig davon bleibt sicheres Freilauf-Management wegen des ausgeprägten Sichtjagd-Instinkts wichtig.
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